Gedichte im Islam
Diverse Gedichte

von Karacaoglan, übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Braunäugiges kokettes Lieb,
Gebrauche mich nicht statt der Hand -
Ich will der goldne Gürtel sein,
Der sich um deine Taille wand!

* * *

Am Morgen traf ein Mädchen ich,
Ein Wuchs wie ein Zvpressenzweig,
Und bei ihr eine junge Frau
Mit roten Wangen, honiggleich.

Die Frau wird eine Huri sein,
Das Mädchen ist ein Engel rein.
Die Frau rotblühnder Waldesrain,
Das Mädchen rosenknospengleich.

Verschlossen war der Fraue Mund,
Mein Herz ward durch das Mädchen wund.
Ein Scherbet war die junge Frau,
Das Mädchen wabenhoniggleich.

Ach Fraue, rein ist dein Gesicht,
Ach Mädchen, keiner gleicht dir • nicht.
Ich bin Karacaoglan spricht -
Vor beider Tür dem Sklaven gleich.

* * *

Wär ich am Himmelszelt ein Rauch,
Wär ich im Erdenreich ein Strauch -
Wär rotgetupftes Leinen auch,
Dass sie um ihren Hals mich bänd!

* * *

Braunäugiges kokettes Lieb,
Du mögest werden, wie ich bin:
Das Haar zerzaust, der Rücken krumm -
Du mögest werden, wie ich bin!

Rose höre auf zu blühn,
Sprosser soll den Garten fliehn,
Wundarzt von, der Tür nicht ziehn -
mögest werden, wie ich bin!

Statt Blumen spross die Distel auf,
Statt Vogelsang der Eule Laut,
Die Träne fließ in Wildbachs Lauf -
Du mögest werden, wie ich bin!

Ich rede hier mit Mannesmund,
Es flammt mein Herz zu jeder Stund -
Ein grauer Wolf, vom Pfeile wund
mögest werden, wie ich bin!

* * *

Mit schwerbeladnem Pferd kam von der Mühle ich -
Ach, wer dies Mädel sieht, dem dreht sich der Verstand:
Wohl fünfzehn Jahre alt, mit fünfundvierzig Zöpfen...
Was tun? Ein Mädel hat mich „Onkelchen“ genannt...

 

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