Gedichte im Islam
Wen geht's an?

von Kul Nesimi, übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Den ich verlor, suche ich auch, mein ist der Freund: wen geht‘s an?
Bald gehe ich in meinen Hag, Rosen pflück ich: wen geht‘s an?
Bald gehe ich zur Schule hin, höre Lektion ganz für Gott.
Bald gehe ich zur Schenke hin, trinke und trink - wen geht‘s an?

Sagten sie doch - Frömmlergezücht - unerlaubt sei Liebeswein.
Ich füll das Glas, ich leere es, mein ist der Wein: wen geht‘s an?
Ich wählte mir Tadels Gewand, legte es mir um den Leib -
Schlug auch das Glas „Ehre und Ruf" auf einen Stein: wen geht's an?
Nieder wirft sich vor dem Mihrab in der Moschee Frömmlerschar,
Mir ist des Freunds Schwelle Moschee, dort bete ich - wen geht‘s an?
Bald steige ich himmelwärts auf, lenke die Welt ringsumher,
Bald ziehe ich erdenwärts hin, liebe den Freund - wen geht‘s an?
Sagte der Hund - jener Rival - sehr sündig sei's, dass man liebt
Ich liebe doch ihn, den ich lieb - mein sei die Sünd': wen geht's an?
Fragten sie mich: Stehst du dich gut mit deinem Freund, Nesimi?
Gu mag ich stehn, oder auch nicht - mein ist der Freund, wen geht's an?

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