Gedichte im Islam
Muradi

von Murat III., übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Öffne dein Aug, aus dem Schlaf des Vergessens wach auf,
Wachet, erwachet, viel schlafende Augen, wacht auf!
Azrail will deine Seele, o glaub mir‘s, merk auf!
Wacht, meine Augen, vom lässigen Schlummer wacht auf!
Wachet, erwachet, viel schlafende Augen, wacht auf!

Morgens erwachen die Vögelein alle im Haine,
Alles was Zungen hat, lobet den Herrn im Vereine,
Einheit bekennen die Berge, die Bäume, die Steine -
Wacht, meine Augen, vom lässigen Schlummer, wacht auf!

Wachet, erwachet, viel schlafende Augen, wacht auf!
Öffnen am Morgen die Tore des Himmels sich weit,
Über die Gläubigen wird dann Erbarmen gestreut,
Und wer früh aufsteht, dem nähn sie ein himmlisches Kleid
Wacht, meine Augen, vom lässigen Schlummer wacht auf!
Wachet, erwachet, viel schlafende Augen, wacht auf!

Ach diese Welt ist vergänglich, du täusche dich nicht,
Lege, verblendet, auf Krone und Thron kein Gewicht,
Dass dir die Lande zu eigen, dess rühme dich nicht -
Wacht, meine Augen, vom lässigen Schlummer wacht auf!
Wachet, erwachet, viel schlafende Augen, wacht auf!

Ich bin dein Sklave Murad - mein Vergehen verzeih,
Meine Verbrechen vergib, und von Schuld sprich mich frei
Bei deinem Banner der Ort meines Auferstehns sei -
Wacht, meine Augen, vom lässigen Schlummer wacht auf!
Wachet, erwachet, viel schlafende Augen, wacht auf!

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