Gedichte im Islam
Zeit in Bursa

von Ahmet Hamdi Tanpinar, übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

In Bursa: ein Moscheehof, klein, uralt,
Drin Wasser plätschernd in 4em Springbrunn wallt,
Und eine Mauer noch aus Orhans Zeiten,
Gleichaltrig die Platane ihr zu Seiten,
Die allseits heitren Tag durchscheinen lässt
Die Trauer, die noch eines Traumes Rest,
Darinnen lächelt mir tief aus dem Innern,
Gleichsam aus einem kühlenden Erinnern
Des Himmels Blau, as Grün der ebnen Flur
Und jene göttlichste Architektur.

Hier ist ein jeder Name Siegeskunde;
In eins verflossen, leben Zeit, Tag, Stunde
Den Zauber einer längst vergangnen Pracht
Des Traums, der noch in diesen Sternen lacht.
Das taubenäugige, das Schweigen auch
Tönt noch mit jener Zeiten fernem Rauch -
Gümüslü: Spiegel frühster Siegeshuld;
Muradiye: Bittre Frucht nur der Geduld;
Symbol des Lebens: weiße Nilüfer;
Moscheen, Türben, Gärten altersschwer,
Zahlloser Helden ruhmreiche Legenden,
Kriegsschreie auch, die sich zum Himmel wenden,
Trägt jeden zur Vergangenheit mit Macht.
In diesem Traum schläft Bursa jede Nacht,
Mit ihm erwacht es, wenn der Tag anbricht,
Zypresse, Rose. lacht im Silberlicht -
Und der verhaltnen Brunnen frischer Ton ...

Inmitten eines Wunders leb ich schon
Von Flügelschlagen und der Wasser Hall -
Die Zeit hier: eine Ampel von Kristall.

Zur Grünen Türbe sind wir spät gegangen;
Wir spürten des Korans Ton, der seit langem
Den Fliesen eingeprägt ist, wie Musik.
Und der Erobrungstage Wunderglück
Erhellte sich in deinem Lächeln mir.
An diesem Orte wünschte ich mit dir
Zu schlummern, Haupt an Haupt, in diesem. Traum
Den letzten Schlaf - rings sollte unsern Raum
Dies Licht und diese Farbe ganz umhüllen,
Die ew‘ge Harmonie die Luft erfüllen.
Ein Frühlingsschlaf wird dann die Todeszeit
In dieser zaubervollen Ewigkeit.
Vielleicht, dass auch der Ahnen Träume warten
In dieser Wasserstimmen weißem Garten ...

 

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