Gedichte im Islam
Meine Rose

von Mehmet Tschinarli (Çınarlı), übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Das Haar wurde weiß - doch halt uns deshalb nicht
für Greise, o Rose!
Bei Gott! uns gefällt dein Wesen, dein Wie, deine Weise,
o Rose!
Die Jahre vergehn - das heißt, auch das Herz wurde
stiller, gehorsam -
So dachten wir. Ach, wir irrten, wir wurden nicht weise,
o Rose!
Komm, nahe dich nicht den Jünglingen, kaum noch
entwöhnten - es lohnt nicht!
Auch wir hielten einst die Liebe für Spiel ohne Preise,
o Rose!
Wir übten die Kunst, an Rosen zu riechen, für Jahre;
und Dornen
Wohl tausendfach dicht, sie brachte uns diese Reise,
o Rose.
„Die Dichter sind zart, zu vieles Umarmen ertragen
sie niemals!
Sagt jemand dir das - auch wir sind nur Menschen!
Komm leise, o Rose!

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