Gedichte im Islam
Uralter Dampfer

von Mehmet Akif Ersoy übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Es gab anno dazumal hier‘nen Unglückskahn Dampfer, uralt,
Der ward für die Mittelmeerfahrt bestimmt und reichlich dotiert.
Der alte Kaptän: “Ohne mich!“ - “Bringt einen, wenn‘s einer riskiert!“
Der neue Kaptän kommt, und stracks begibt er sich schon auf die Brück‘ -
Der Mann hatte immerhin doch noch einigermaßen Glück:
Das ließ ihn auf günstigen Wind und Strömung nicht warten zu viel,
Des Abends schon sticht sie in See, die Unglückspost: Izmir das Ziel.
Die Arme schwamm plätschernd dahin, als wäre in Göksu sie noch,
So wunderbar heiter das Meer, das Wetter so herrlich... jedoch
Bricht, plötzlich das Unheil nicht los, ist endlich das Meer nicht empört?
Der Kahn torkelt hin, torkelt her - die Reisenden völlig verstört.
Jetzt gibt‘s für den armen Kaptän kein Sitzen mehr, und keine Ruh
Als glaub‘ er, sie wurden gehört, so schreit er Befehle jetzt zu:
„Die Karte bringt her!“ ruft er - “ach, du lieber Gott, guck doch mal her:
Hier Sile, - der Kizilirmak - das ist ja mein liebes Schwarzmeer!
Ist ‘MitteLmeer‘ nicht da ?“ “Nein nein“ ... „Das wär dem Kaptän
nicht bekannt?“
“Ganz recht, aber wir schrieben oft, und die haben‘s uns nicht gesandt!“
Nun beugt er sich nieder und schaut: die Nadel am Kompass fehlt hier.
Den Weg kennt er auswendig nicht - ach weh dir, mein Schiff, wehe dir!
Der Nord weht und weht immer mehr, die Wogen erregt von den Winden...
Er ruft: “Bringt die Nadel!“ O je! Wie soll man die Nadel jetzt finden?
“ne Nadel gibt‘s nicht, Kapitän - ich weiß nicht, was solln wir jetzt bringen?“
Da meint er: “Wenn‘s so ist, dann könnt das Glaubensbekenntnis ihr singen!“

 

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