Gedichte im Islam
Von Trauer

von Bedri Rahmi Eyüboglu, übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Von Trauer von Trauer die Gärten erfüllt
Von Denken von Denken die Bücher erfüllt
Eine blaue Natter unter dem Stein
Ein kühler Nebel zieht drüber hin
Ein seltsamer Käfer kriecht drüber hin
Von Ruhe von Ruhe Schlaflieder erfüllt

Und Erde und Erde zum Wahnsinnigwerden
Und Erde und Erde zum Morden zum Morden
Von Schweigen von Schweigen Zypressen erfüllt
Und trunken und trunken Staubfäden erfüllt
...und die Seele
Erdbeerengleich in meinem Munde
Jeder Hauch ein Pflaumenzweig
In mir müssen noch Brocken vom Paradiese sein
Und ein Himmelszelt, vollständig ausgestattet
Seine Tore sollen sich öffnen ohne Ende ...
O Herr
Unsre im Himmel irgendwo verborgene Kindheit
Rühr sie nicht an ... wir haben sie wohl vergessen
Rühr sie nicht an ... ganz dort verschlossen bleibe
Dein Geheimnis
Unsere Kindheit
Das Paradies
Seit jeher waren wir Nachbarn.
Und frieren- und frieren, bis das Blau wir erreichen.
Ganz ferne ganz fern wo die Himmel entweichen
Von Trauer von Trauer die Garten erfüllt
Von Ruhe von Ruhe Schlaflieder erfüllt
Und Schweigen und Schweigen noch süßer als Honig
Und Schweigen und Schweigen mit tausend Flügeln
Und Schweigen und Schweigen unter dem Staub
Und Lenze und Früchte unter dem Staub
Und mein Herz in Stucken unter dem Staub
Von Wünschen von Wünschen die Quellen erfüllt

Ein Zigeunermadchen über dem Staub
Die verrosteten Hacken über dem Staub
Ihr Scharten ein Aufreiz über dem Staub
Ihr Haar riecht nach Klee über den Brauen
Ihre Augen duften nach Klee, ihr Atem nach Klee
Nur Wunsch und Begierde von Kopf bis zum Fuß
Von Sünde von Sünde die Brunnen erfüllt ...

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