Gedichte im Islam
Wer dürstet

von Fudhuli, übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Wer dürstet nach der Einung Glas, fragt nach der Lebensquelle nicht.
Wer deines Mals Ameise sucht, tragt nach Süleymans Stelle nicht.
Wer deiner Locke Dunkelheit ergriff, der rühmt sich nicht, des Lichts.
Wer deiner Wange Kerze wünscht, fragt nach der Sonne Helle nicht.
Zum Paradies geht der nicht mehr, der kniet in deiner Türe Staub.
Wer wohnt im Winkel deines Grams zum Rosenhag eilt schnelle nicht.
Du seufz nicht über Grausamkeit; sie ist der wahre Kern der Huld.
Der Grund für die Vollkommenheit‘ der Schönheit, der zerspelle nicht!
Liebende beklag sich nicht: "Die Liebe, ach, zerstört mein Herz!"
Wer sagt: „Ich bin dein Fürst!‘, der wünscht doch, dass sein Reich zerschelle, nicht.

 

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