Islamische Gedichte

Diverse Gedichte
aus dem West-östlichen Divan

von Johann Wolfgang von Goethe vom 6.2.1824

 Ob der Koran von Ewigkeit sei? 
Danach frag ich nicht! 
Ob der Koran geschaffen sei? 
Das weiß ich nicht! 
Daß er das Buch der Bücher sei, 
Glaub ich aus Mosleminenpflicht.

Daß aber der Wein von Ewigkeit sei, 
Daran zweifl' ich nicht; 
Oder daß er vor den Engeln geschaffen sei, 
Ist vielleicht auch kein Gedicht. 
Der Trinkende, wie es auch immer sei, 
Blickt Gott frischer ins Angesicht. 

(Aus "westöstlicher Divan 1819)

Anmerkung: Der Begriff "Wein" wird in der islamischen Dichtung für "Liebe Gottes" verwendet

"Jesus fühlte rein und dachte 
Nur den Einen Gott im Stillen; 
Wer ihn selbst zum Gotte machte 
Kränkte seinen heil'gen Willen. 
Und so muß das Rechte scheinen 
Was auch Mahomet gelungen; 
Nur durch den Begriff des Einen 
Hat er alle Welt bezwungen."

(Aus "westöstlicher Divan 1819)

Vom Himmel steigend Jesus bracht' 
Des Evangeliums ewige Schrift, 
Den Jüngern las er sie Tag und Nacht, 
Ein göttlich Wort, es wirkt und trifft. 

Er stieg zurück, nahm's wieder mit; 
Sie aber hatten's gut gefühlt, 
Und jeder schrieb, so Schritt für Schritt, 
Wie er's in seinem Sinn behielt, 

Verschieden. Es hat nichts zu bedeuten: 
Sie hatten nicht gleiche Fähigkeiten; 
Doch damit können sich die Christen 
Bis zu dem Jüngsten Tage fristen.

(Aus "westöstlicher Divan 1819)

Närrisch, daß jeder in seinem Falle 
Seine besondere Meinung preist! 
Wenn Islam Gottergeben heißt, 
Im Islam leben und sterben wir alle."

(Aus "westöstlicher Divan 1819)

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