Gedichte im Islam

An den Schah

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinen Ghaselen, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

Vom Himmel kam zu mir, o König,
Ein Bote, froher Kunde voll,
Die herzerfreuend, zaubertönig
Ihm aus geweihtem Munde scholl.

Wie Huris schön, mit stolzem Gange
Schritt er einher, und wunderbar
Ein Glanz ging aus von Stirn und Wange,
Selbst von dem dunklen Lockenhaar.

Um seine seinen Lippen spielten
In Anmut wechselnd Ernst und Scherz;
Die Worte trafen, wo sie zielten,
Wie seine Blicke jedes Herz.

Ich sprach: warum bist Du gekommen
Zu mir, bei dem die Armut wohnt?
Er sprach: dem Könige zum Frommen,
Der hohen Sinns im Lande thront. -

Nun weiß ich nicht, was anzufangen
Mit ihm, ich armer, alter Mann;
Trägt nach dem Boten Du Verlangen,
O König, nimm Dich seiner an!

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