Gedichte im Islam

An Sultan Messud

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinen Ghaselen, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

O gerechter Monarch, Du Meer an Huld,
Du Leu an Mut: Dir zollt als Schuld
Der ganze Erdkreis an Du bezwangst,
Mehr Ruhm und Ehre als Du verlangst!
Als mächtigsten Herrscher kennt man Dich,
Und "der Beglückte" nennt man Dich.
Schon durch Geisterstimmen ward Dir bekannt
Wie sich mein Tag in Nacht gewandt.
Was in drei Jahren ich bei Dir
Erworben und bei Deinem Wesir,
Nahm mir durch launisches Geschick
Der Himmel in Einem Augenblick.
Nur sah ich gestern mich im Traum
In Deinem Stall, und traute kaum
Den eigenen Augen als ich da
Ein Maultier an der Krippe sah,
Das plötzlich kehrte vom Futter sich
Zu mir und sprach: Erkennst Du mich?
Da ich nun nicht im Stande bin
Zu deuten dieses Traumes Sinn:
Tu' Du es, Herr, erbarmungsreich,
Denn an Scharfsinn kommt Dir Keiner gleich.

 

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