Gedichte im Islam
Aufruhr in der Moschee

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinem Divan

Die Prediger, die auf der Kanzel stehn voll Pracht:
Ganz heimlich tun sie andre Dinge allein zur Nacht.
Die Prediger, recht töricht blickend ich wundre mich:
Von dem, was sie uns lehren, haben sie nichts gemacht.
Ich habe ein Problem zu lösen; o Weise, sagt:
Sie pred‘ gen Reu, doch haben nie an Reu gedacht.
Als ob sie keinen Glauben schenkten dem Jüngsten Tag,
Dass sie vor ihren höchsten Richter nur Lug gebracht!
Am Weinhaustor der Liebe, Engel, dort bete du:
Denn dort wird Adams Staub geknetet und gärt zur Nacht.
Wie viele Liebende die Schönheit auch töten mag,
Schon neue Scharen Liebender sind im Nichts erwacht!
Ich bin des alten Wirtes Sklave, dess Jünger, arm,
Den Staub der Unbedürftigkeit streun auf Reichtums Schacht.
O Klosterbettler, eil! Im Kloster der Magier
Kredenzt man Wasser, das die Herzen lebendig macht.
Entleer dein Haus von Götzen, dass dort der Liebste wohnt;
Die Lüstlinge verändern jedem das Herz mit Macht.
Ein Laut vorn Gottesthron kam morgens. Sprach der Verstand:
"Die Engel memorieren Verse, die Hafiz macht."

In die dazu gehörige Miniatur von Scheich Zadeh, welches als eines seiner Meisterwerke gilt, ist der Anfang des zitierten Hafiz-Gedichtes links oben eingeschrieben.

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