Gedichte im Islam

Der Stern der Schönheit

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinen Ghaselen, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

Der Stern der Schönheit borgt sein Licht
Von Deinem holden Angesicht,

Und aus dem Grübchen Deines Kinns
Zieht Anmut Schätze des Gewinns.

Verlockt durch Deine Locken bin
Ich so, dass meine Ruh dahin;

Auf meiner Lippe schwebt mein Geist –
Und fragt, was Du zu tun ihm heißt.

O gib ihm Antwort, geh' nicht so
Vorüber, Deiner Opfer froh! -

Helft, Freunde, gebt der Herrin kund,
Dass wüst mein Herz ist bis zum Grund.

Ihr fühlt ja selber allesamt
Mein Weh, und wisst woher es stammt,

Denn wen der Herrin Auge traf,
Der ist gesellet als ihr Skalv.

Drum wer vor ihr mit Kälte prahlt,
Dem hat ihr Auge nie gestrahlt.

Ich glühe, ob auch trübgemuth,
Noch immer fort in Sehnsuchtsglut.

Liegt auch das Ziel der Wünsche fern, -
O Hafis, folge Deinem Stern!

Blick' auf Vergang'nes nicht zurück,
Weckt er aus langem Schlaf Dein Glück.

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