Gedichte im Islam

Irak

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinen Ghaselen, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

Leidvoll hoch gehn meiner Sehnsucht Wogen
Seit Suleiman nach Irak gezogen.

Führer ihrer Sänfte, o wie gerne
Ritt' ich ihr statt Deiner vor zur Ferne!

Blutend klagt mein Herz in Trennungsleiden,
Fluch den Tagen die mich von ihr scheiden!

Den Verstand im Sinderud versenke
Und beim Lied such Tröstung in der Schenke.

Sänger, dessen holde Kunst wir preisen,
Sing' ein persisch Lied in Irak's Weisen!

Vor mir auf steigt meine Jugend wieder
Bei dem Harfenspiel und Klang der Lieder.

Her den Rest vom Wein! den Rest vom Leben
Will ich, froh im Rausch, den Freunden geben.

Reich' den schweren Becher mir, o Knabe!
Dass Dich Gott aus geistiger Fülle labe.

Mit vereinten Kräften unverdrossen
Wirk' im Bunde treuer Bundsgenossen.

Immer treibt der Lenz Dir neue Blüten,
Liebesglück, - Gott möge Dich behüten!

Ach, nie nützt' ich des Genusses Stunden!
Nun schlägt mir die Trennung Büßerwunden.

Holdes Rebenkind, Du weißt zu heilen,
Doch nicht immer kann ich bei Dir weilen.

Dem Messias nur mit freiem Sinne
Ziemt's dass er der Sonne Gunst gewinne.

Ich, der Greis, muss vollem Glück entsagen,
Darf nur Küsse, harmlos Kosen wagen.

Schmäh' nicht meine Tränenflut, Du Hehre:
Kleine Bäche schwellen große Meere.

Löst der Freunde Bund sich immer wieder,
Hafis, singe Du irak'sche Lieder!

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