Gedichte im Islam
Mein Körperstaub von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz), übersetzt von Friedrich Rückert.

Mein Körperstaub ist der Schleier,
der Seelenantlitz umwebt,
O Augenblick, da vom Antlitz
mir einst der Schleier sich hebt!

Nicht solch ein Käfig ist würdig
solch eines Sängers wie ich:
Ich will zum Garten von Ridhwan,
wo ich als Vogel geschwebt!

Mir ward, warum ich gekommen
und wie ich gegangen, nicht klar:
O schad' und wehe, wie achtlos
ich meines Standes gelebt!

Wie soll ich feiernd umkreisen
den Tempel heiliger Welt,
Wenn im Gebäude des Stoffes
ich an den Leib bin geklebt?

Mir, dem die Bühne der Huris
zur Stätt' und Wohnung gebührt,
Wie ward im Gau der Berauschten
der Aufenthalt mir erstrebt?

Vom Liebesdufte mein Herzblut
verhaucht, o wundre dich nicht!
Vom Schmerz der Blase Chotens hat
das Mitgefühl mich durchbebt.

Mein Hemde, golden gestickt gleich
der Kerz', o sieh nicht darauf,
Weil unterm glänzenden Hemd sich
der Brand des Innern begräbt.

O komm, sein eigenes Dasein,
o nimm's von Hafis hinweg,
Dass niemand möge, wo Du lebst,
erfahren, dass Ich gelebt.

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