Gedichte im Islam

Meine Dichtkraft

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz), übersetzt von Vinzenz Rosenzweig von Schwannau 1858-64

Meine Dichtkraft ist des Morgens,
von Betrübnis übermannt
Und mit Abscheu auf mich blickend,
schmählich mir davongerannt.

Chorawesm und Oxusufer
waren Bilder ihres Wahns,
Und sie floh mit tausend Klagen
aus dem Reiche Sulaimans.

Fort ist sie, die, wie noch niemand,
hat des Wortes Geist erkannt,
Und ich sah's, indes dem Leibe
schmerzlich sich mein Geist entwand;

Und als ich ihr nachgerufen:
»Meine alte Freundin du!«
Sprach sie hart, ward ungehalten,
floh und weinte laut dazu.

Und ich sprach: »Wer führt nun wieder
freundlich ein Gespräch mit mir,
Denn der süße, der beredte
Zuckermund entfloh von hier?«

Wie so oft hab ich gebeten:
»Fliehe nicht!« Es nützte nichts:
Sie erfreut sich ja vom Herrscher
keines freundlichen Gesichts.

Rufe sie zurück, o Kaiser,
durch dein hulderfülltes Wort!
Was beginnt nun die Verbrannte?
Trieb sie doch der Mangel fort.

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