Gedichte im Islam

Mit meinem Herzblut

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinen Ghaselen, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

Mit meinem Herzblut schrieb ich meiner Lieben:
Die Welt geht unter, weil Du mich vertrieben.
Von hundert schlimmen Zeichen sind die einz'gen
Nicht diese Tränen, die im Aug' geblieben.

Kein Lohn ward mir von Dir! "Wer den Betrübten
Noch mehr betrübt, tut unrecht," steht geschrieben.
Den Arzt frag' ich; er sprach: Gesundheit ist
Ihr fern, von Leiden wird sie aufgerieben.

Der Oft hob ihren Schleier, und ich sah
Vor Sonnenglanz den Übeldunst zerstieben.
Ich sprach: man höhnt mich, nah' ich Dir auf's Neue; -
Ach, Hohn folgt immer den verliebten Trieben!

Erhör' Hafisens Flehn! um einen Becher
Fleht er, voll Huldgewährung seiner Lieben!

 

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