Gedichte im Islam

Trennungsweh

von Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) aus seinen Ghaselen, übersetzt von Friedrich von Bodenstedt 1877

Ich hört' ein schönes Wort das einst
der Greis von Kanaan gesagt:
"Es gibt kein ebenbürtig Wort
für Schmerz der über Trennung klagt!"

Die Schrecken selbst des Weltgerichts,
wie sie der Prediger schildern mag,
Ein schwaches Gleichnis sind sie nur
von wahrer Freundschaft Scheidetag.

Wer bringt vom abgereisten Freund
ein gutes Zeichen endlich mir?
Was mir der Ostwind vorgesummt,
klang wirr und unverständlich mir.

So lass uns denn den alten Gram
vertilgen ganz durch alten Wein;
Der Landmann sagt: das Rebenkind
pflanzt immer Lust in's Herz hinein.

Einst weise Worte sprach der Wind
zu Salomo, es waren diese:
"Vertrau dem Mund des Windes nicht
und wenn er noch so günstig bliese."

So lang Dein Lebensfaden hält,
weich' nie vom rechten Pfade ab,
Geht's mit der alten Buhle Welt
auch immer noch nicht grade ab.

Nie frage nach "warum" und "wie",
ein treuer Knecht fügt allezeit
Des Herrschers Wink und Worten sich,
mit ganzer Seele dienstbereit.

Wer sagt Dir, dass Hafis Dich
vergessen habe ganz und gar?
Ich hab' es nicht gesagt, und wer
es Dir gesagt, der sprach nicht wahr!

 

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