Gedichte im Islam
Bist du mir fern

von Ibn Hazm al-Andalusi aus dem Buch "Halsband der Taube", übersetzt von Max Weisweiler (1941)

Bist du mir fern, obwohl du hier, will ich zufrieden sein
Mit deinem Blick, wenn mir versagt der innige Verein.
Und dann genügt mir's, wenn am Tag du einmal mir erscheinst
Wenn gleich das Doppelte mich nicht zufrieden stellte einst.
Der Wali strebet also auch zu höchstem Ziel hinan;
Beim Sturze aber ist er froh, wenn er sich retten kann.

Wenn ich es nicht begehren darf, vereint zu sein mit dir,
Und fern sein muss, ob du auch lügst, versprich es dennoch mir!
Vielleicht gibt der Gedanke dich zu treffen Lebenskraft
Dem Herzen mein, das hart durch deine Abkehr ist bestraft.
Denn oft bringt's Trost in dürrer Zeit, wenn man des Blitzes schein
Am Himmel leuchten sieht, mag er auch ohne Regen sein.

Man sprach: ,,Dich hat verletzt der, dem dein Herz gehört.“
Da sagte ich: ,,Bei Gott! Er hat mich nicht versehrt.
Es spürte, nein, mein Blut, dass er ihm nahe stand.
Da flog's zu ihm und hat sich seitwärts nicht gewandt.
O, der du böse mir und gütig schenkst den Tod,
Dir möcht ich opfern mich beim bösen, güt'gen Gott!“

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