Gedichte im Islam
Das Schelten

von Ibn Hazm al-Andalusi aus dem Buch "Halsband der Taube", übersetzt von Max Weisweiler (1941)

Das Schelten frührer Tage war getilgt, war längst verbannt,
Als wider uns der Trennung Heer kam stürmend angerannt.
Der Abkehr jagte Schrecken so und Furcht die Trennung ein.
Da floh die Abkehr; heute weiß man nicht, wo sie mag sein:
Gleichwie ein Wolf allein ist mit der Beute, bis ihn zwingt
Zu irrer Flucht ein Leu, der aus des Rohres Dickicht dringt.
Freut mich die Trennung, weil sie die Entzweiung fortgeschickt
So bin ich schmerzerfüllt, da sie die Liebste mir entrückt:
Der Tod kann nicht entraten einer kurzen Ruhefrist;
Dann aber schlägt er nieder schnell, wenn sie vorüber ist.

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