Gedichte im Islam
Um dich mich Leute schelten

von Ibn Hazm al-Andalusi aus dem Buch "Halsband der Taube", übersetzt von Max Weisweiler (1941)

Um dich mich Leute schelten,
Die Liebe nie verspürt.
Ob tadeln sie, ob schweigen,
Mich lässt es unberührt.
Sie sagen: "Jeden Strebens
Nach Reinheit bist du bar,
Doch eifrig im Gesetze
Stellst du der Welt dich dar."
"Das wäre" sagt' ich ihnen
"Ja reinste Gleisnerart;
Mein Wandel aber Feindschaft
Gen Heuchler offenbart.
Wann hat uns denn Mohammed
Der Liebe Lust verwehrt?
Wird in der klaren Satzung
Ein solch Verbot gelehrt?
Wenn ich nichts Böses tue,
Dass einst ich fürchten mag,
Verwirrten Blicks zu treten
Vor Gott am Jüngsten Tag,
Dann kümmert in der Liebe
Des Tadlers Wort mich nicht.
Ja, gleich ist, ob er's offen,
Ob er es heimlich spricht.
Ist nicht die Wahl des Guten
Des Menschen einzger Zwang?
Straft man ein Wort, das niemals
Aus Schweigers Munde drang?"

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