Gedichte im Islam
Mensch

von Kaygusuz Abdal übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Krumm und Schiefes rede ich, grüne Pflaume jedes Wort
Wie ein Storch durchwandle ich fremd die Weite, Stund um Stund.
Meines Lebens Ernte ging, und ich kenn‘ mich selber nicht;
Keinen Tag schloss ich mich an einem, dem die Wege kund.

Ruft die Liebesvögel man, gibt man Liebes-Körner dann,
Schreie wie die Enterich tappe wie die Trappe rund.
Noch ließ ich die Ichheit nicht, kenne Menschlichkeit noch nicht.
Wie ein Mensch seh ich zwar aus - doch ein Ese‘ spricht im Grund.

Wenn sie in der Weisen Kreis sprechen von Erkenntnis hoch,
Denke ich nicht viel - sogleich heule laut ich wie ein Hund.
Ich bin auch Geschöpf des Herrn, aber stumpf und kenntnislos;
Wie verstört entfliehe ich aus der weisen Männer Bund.

Nichts weiß von Erkenntnis ich, dumm, ganz ohne Wissenschaft -
Fragen sie mich nach dem Sinn, strauchelnd hinkt das Wort vom Mund.
Armer du, du täuschtest dich, wurdest deines Fleisches Knecht.
Gier und Lüste fingen dich - in der Falle sitzt du, wund.

 

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