Gedichte im Islam
Spricht's, geht

von Kaygusuz Abdal übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Ich sprach: „Wie schön bist du, mein Schatz!“
„Du bist ein freches Stück!“ - spricht‘s, geht.
„Du bist ein unbehauner Klotz,
Du bist ein freches Stück!“ spricht‘s, geht.

„Guck deine Ziegendecke an -
Und sowas sagt, er liebte mich!
Dein Ziel ist wohl der Kadi, nicht?
Der find dir einen Strick!“ - spricht‘s, geht.

„Sein Bett das alte Aschenloch,
Nur Schmutz und Russ von Kopf bis Fuß,
Sein Saum schleppt hin im Straßenschlamm,
Geh weg, du Hinkebein! “ - spricht‘s, geht.

Ich sprach: „Wie wär‘s, du Reizender,
Gäb mir dein Mund mal einen Kuss?“
„An deine Stirn ein Schleuderstein,
Holzhammer ins Genick!“ - spricht‘s, geht.

„Landstreicher, zieht er durch die Welt,
Die Sohlen sind zerfetzt, zerspellt,
Trompete an die Hüfte schlägt,
Die Klampfe tiktatik“ - spricht‘s, geht.

„Ich floh und floh und kam nicht los
Von dieses frechen Kerles Hand.
An jedem Morgen steht er da,
“Nur Gott, nur Gott!“ schreit er — spricht‘s, geht.

“Dem Kaygusuz gefallen wohl
Pilav, Gesottnes. Safranreis -
Wär noch ein Herd voll Brote da,
Wär‘s recht schön weich und dick!“ - spricht‘s, geht.

 

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