Gedichte im Islam
Tannenhügel, Tannenhain

von Köroglu übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Die schwarzen Locken ringeln sich
Auf rote Rosen, Rosen rein,
Die blauen Augen heften sich
Auf schmale Wege, Wege klein.
Mein Liebling, komm, wir wollen gehn
Zum Tannenhügel, Tannenhain.

Schenk ein, ich trink aus deiner Hand,
Vergessen möcht ich den Verstand,
Ich möchte ziehn in manches Land,
In fernes Land mit dir allein.
Mein Liebling, komm, wir wollen gehn
Zum Tannenhügel, Tannenhain.

Der Liebe Buch, du liest es auch,
Du tust nicht, was des Freundes Brauch,
Du ließest fließen aus dem Aug'
Der Tränen lange lange Reihn.
Mein Liebling, komm, wir wollen gehn
Zum Tannenhügel, Tannenhain.

Den Liebenden neigt man sich zu,
Ich trieb Askese ohne Ruh'
Medschnun will ich und Leila du
In Wüsten, Wüsten irrend sein.
Mein Liebling, komm, wir wollen gehn
Zum Tannenhügel, Tannenhain.

Köroglu sagt: Das ist mein Schmerz!
Gelb ward mein Antlitz, allerwärts
Fiel nun in jedes, jedes Herz
Dies Leid, mein heimlich Leid, hinein.
Mein Liebling, komm, wir wollen gehn
Zum Tannenhügel, Tannenhain.

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