Gedichte im Islam
Rosenwangig

von Nedim, übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Meine Brust durchbohrte heut ein Liebchen, spielend Kastagnetten,
Rosenwangig, rosablusig, und in Seiden, violetten.
Lichtgesichtig, silbernackig, mit zwei Schönheitsmalen, netten,
Rosenwangig, rosablusig, und in Seiden, violetten.

Einen reichgestickten Turban sie sich um ihr Köpfchen schlingt,
Ihre parfümierten Brauen hat mit Sürme sie geschminkt.
Und ich glaub, dass ihre Jahre kaum auf fünfzehn sie erst bringt -
Rosenwangig, rosablusig, und in Seiden, violetten.

Als den Schmuck für alle Häuser, jeden Hochsitz man sie kennt,
Kaum ein Jahr, dass sich die Amme von dem Kinde hat getrennt!
Meine Freude, Herz geliebtes, meines Lebens Element -
Rosenwangig, rosablusig, und in Seiden, violetten,

Unvergleichlich ihre Anmut, ihre Art, ihr Laut, ihr Sinn,
Schön ihr Auge; auf den Nacken sprühen Schönheitsflecken hin,
Silberhals und goldne Locken, Taille wie ein Fädchen dünn
Rosenwangig, rosablusig, und in Seiden, violetten.

Spreche von des Feengesichtes mordend Aug und Plag ich nicht,
Und von meinen Liebesschmerzen, meinen Seufzern klag ich nicht,
Und besing ich ihre Reize - ihren Namen sag ich nicht:
Rosenwangig, rosablusig, und in Seiden, violetten.

 

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