Gedichte im Islam
Frühling

von Nefi übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Frühling erschien, dass im Park grüne Matten er breit‘,
Rose erwählte zum Thronsaal die Wiesen so weit.
Lenzwind erreichte, sich hebend und senkend, den Garten,
Weckt die Natur auf, gleichwie Jesu Atem geweiht.
Wird schon vom Widerschein Erde ein farbiger Teppich,
Ragt erst am Himmel des Wolkenzelts Perlengeschmeid.
Huldstrahl des Lenzes erreichte den Spiegel des Himmels,
Dass er vom Rost finstrer Wolken ihn endlich befreit.
Rosen im Tulpenflor: Strudel im Meere von Herzblut;
Drin treibt das Schifflein der Ruhe des Sprossers voll Leid.
Kräuselt der Wind auf dem Wasser die Wellen so zierlich -
Nie hat ein Künstler in Silber solch Muster gereiht!
Sonne, sich spiegelnd im Wasser - wer das sieht, der meinet,
Goldener Stempel sei dies auf blauseidenem Kleid.
Lass den, der Schönheit der Kerze bei Tageslicht leugnet,
Schaun im Jasminhag Granatblütenkerzen zur Zeit!
Knospe trägt blutrot das Siegel des Kaisers der Liebe:
Rose dem Sprosser den Freibrief der Sehnsucht verleiht!

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