Gedichte im Islam
Will Gott, dass jemand nackt ...

von Dschalaleddin Rumi, aus dem Mesnewi übersetzt von Georg Rosen

Will Gott, dass jemand nackt, beschämt erscheine,
So macht er ihn zum Lästrer gegen Reine.
Will eine Untat Gott in Nacht versenken,
So lässt er ihrer keinen Hauch gedenken.
Will Gott mit Hilf’ und Beistand zu uns stehen,
Flößt er uns Drang zum Weinen ein und Flehen.
Selig das Aug’, das Ihm zerfließt in Tränen,
Glücklich das Herz, das Ihm erglüht in Sehnen!
Kein Weinen, das nicht Gott zum Lachen lenkt; 367
O Heil dem Knechte, der des Ausgangs denkt!
Es schießt das Kraut, wo immer Bäche fließen, -
Erbarmen sprießt, wo Tränen sich ergießen.
Dem Wasserrade gleich, im Tränentau
Klage, bis frisch ergrünt der Seele Au!
Weinende tröste, wenn du Tränen liebst,
Denn Gnade wird dir, wenn du Gnade übst.

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