Gedichte im Islam
Der Fuchs ohne Beine

von Saadi aus dem "Fruchtgarten". aus dem Persischen übersetzt von Otto Hauser

Es fand einen Fuchs ohne Beine ein Mann
Und sah Gottes Güte voll Staunen daran:
Wie fristet sein Leben noch weiter das Tier,
Wie findet's die Nahrung, die tägliche, hier?
Nicht fasst es der Derwisch. Doch was muss er schaun?
Es bringt einen Schakal ein Leu in den Klaun.
Den Schakal zerriss nun der Leu an der Statt,
Von dem, was er ließ, aß das Füchslein sich satt.
Und anderen Tags gleicher Weise aufs neu
Erschien bei dem Füchslein mit Speise der Leu.
Da glaubte der Mann recht erleuchtet zu sein
Und baute fortan auf den Herrn nur allein:
Ist mehr als der Ameise Sorge mir Not?
Der Elfent auch dankt seiner Kraft nicht das Brot.
Er legt' in den Schoß seine Hände zumal,
Dass Gott aus Verborgnem ihm sende sein Mahl.
Doch Fremder und Freund, keiner sorgte für ihn,
Bis dass er nur Knochen und Sehnen mehr schien.
Als Sinn und Geduld ihm vor Schwäche schon schwand,
Da scholl's in der Zelle hervor aus der Wand:
Geh, Fauler, und werde ein Löwe nur flugs,
Wirf nicht dich zur Erde wie dort jener Fuchst
Nein, mach's wie der Leu, der was übrig noch lässt!
Was bist du ein Fuchs, der sich satt frisst vom Rest?
Wer stark wie der Leu ist und daliegt am Grund
Dem Fuchs gleich, wohl besser als er ist ein Hund.
Mach Jagd mit den Klauen, gib Schwächern vom Fang,
Auf anderer Mildigkeit wartest du lang.

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