Gedichte im Islam
Der Ring Omars Abdulasis

von Saadi aus dem "Fruchtgarten". aus dem Persischen übersetzt von Otto Hauser

Ein Weiser, ein trefflicher, meldete dies
Als würdiges Beispiel von Abdulasis,
Er hab‘ einen Ringstein getragen im Ring,
So schön, dass sein Wert ins Unfassliche ging.
Des Nachts schien es, dass eine Sonne er trag‘;
Es war eine Perle so hell wie der Tag.
Da fiel ein gar trockenes Jahr ein, und bald
War Neumond der Antlitze VolImondgestalt.
Als also das Volk er im Unglücke sah,
Nicht menschlich mehr schien ihm das Zusehen da.
Wer sieht, dass ein anderer Gift trinken muss,
Wie fänd‘ er an Fruchtwasser selber Genuss?
Verkaufen da ließ er sogleich seinen Stein,
So rührt‘ ihn der Waisen und Elenden Pein.
Er löste dafür bares Gold sieben Pfund,
Die gab er den Armen, Bedürft‘gen zurstund.
Mit Tadel da fielen sie über ihn her:
Es kommt in die Hand dir kein ähnlicher mehr.
Ich hörte, er sprach, und von Tränen ihm rollt‘s
Die Wangen hernieder, dem Wachs gleich, das schmolz:
Es ziemt nimmermehr einem Fürsten der.
Schmuck, Liegt schwer auf den Herzen der Kümmernis Druck.
Ich darf einen Ring tragen wohl ohne Stein,
Das Herz meines Volks darf nicht kummervoll sein.

O glücklich, der lieber beglückt Mann und Weib,
Als einzig beglückt sieht den eigenen Leib!
Das war nach dein Herzen des Rechtlichen nie,
Dass Lust ihm aus anderer Schmerzen gedieh.
Wenn ruhig der Fürst auf dem Schlummerbett liegt,
Dann schläft nicht der Arme, den Kummer besiegt,
Doch wenn er gar lange in Sorgen noch wacht,
Dann schlafen die Völker geborgen die Nacht.

Mehr zu Omar Abdulasis siehe Umar ibn Abdul Aziz

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