Gedichte im Islam
Der Weise und der Tor

von Saadi aus dem "Fruchtgarten". aus dem Persischen übersetzt von Otto Hauser

Der Weise, er stirbt, wenn's das Schicksal beschloss,
Der Tor bleibt am Leben, wenn Gift er genoss.

Vor Hüftstechen fand einst ein Kurde nicht Schlaf.
Ein Arzt, den man grad in der Nachbarschaft traf,
Sprach also: Ich geb', da er Weinblätter isst,
Ihm selbst bis zum grauenden Morgen nicht Frist.
Weit besser, den Speer des Tatars in der Brust,
Als Schädliches essen in frevlem Gelust.
Denn dringt in den Magen ein Bissen davon,
Der Tor hat den Tod, wie wir wissen, davon.
Der Arzt aber wurde entrafft noch die Nacht,
Der Kurde hat's über die Achtzig gebracht.

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