Gedichte im Islam
Dschuneids Demut

von Saadi aus dem "Fruchtgarten". aus dem Persischen übersetzt von Otto Hauser

Ich hört', einen zahnlosen Jagdrüden sah
Dschuneid eines Tags in der Wüste Sen`a;
So schwach wie beim alternden Fuchse war jetzt
Die Kraft, womit einst er den Löwen gehetzt;
Gazelle und Wildbock erreichte sein Lauf,
Nun trat ihn mit Füßen der Schafherde Hauf.
Und wie er so kraftlos ihn sah und so wund,
Die Hälfte der Tagzehrung gab er dem Hund.
Und blutige Tränen dann weinend: Oh sprich,
Begann er, wer besser ist, er oder ich?
Ich scheine der bessre wohl heute zu sein,
Doch morgen, wem werd' ich zur Beute da sein?
Wenn wanklos mein Glaube vom Pfade nicht weicht,
Wird einst mir die Krone der Gnade gereicht,
Doch trag' ich der Gotteserkenntnis Gewand
Nicht mehr, so ist weit unter ihm noch mein Stand.
Der Hund, dessen Name ein Schimpf ist, es droht
Ihm doch nicht die Hölle dereinstens im Tod.

Ja, das ist der Weg, den der Gottesmann zieht,
Oh Saadi, dass stolz auf sich selbst er nicht sieht;
Das hebt über Engel empor dich dereinst,
Wenn besser du nicht als den Hund dich vermeinst.

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