Gedichte im Islam
Ein Jüngling

von Saadi aus dem "Rosengarten". aus dem Persischen übersetzt von Karl Heinrich Graf

Ein Jüngling war von lauterm Sinn und Leben,
Der einem lautern Antlitz sich ergeben.
Einst fielen sie bei einer Meeresfahrt
In einen Strudel, den sie nicht gewahrt.
Ein Schiffer kam, um jenes Hand zu fassen,
Eh' noch das teure Leben ihn verlassen;
Doch er rief mitten aus dem Wogenbrand:
Laß mich und fasse schnell des Freundes Hand!
Indes er sprach, sah er die Welt zerrinnen;
Mit diesem Wort entschwanden seine Sinnen:
Die Liebe lerne nicht vom eiteln Mann,
Der in Gefahr den Freund vergessen kann. –
So werden stets die wahren Freunde handeln:
Von dem Erfahr'nen lerne recht zu wandeln;
Denn Sadi weiß, wie's in der Liebe geht,
Wie man arabisch in Bagdad versteht.
Für den Geliebten soll dein Herz nur sorgen,
Sonst sei die ganze Welt dem Blick verborgen.
O kehrten Leila und Medschnun zurück,
Sie fänden hier beschrieben ihr Geschick.

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