Gedichte im Islam
Im Namen Gottes

von Saadi aus dem "Fruchtgarten". aus dem Persischen übersetzt von Otto Hauser

IM NAMEN GOTTES, DES ALLBARMHERZIGEN ALLERBARMERS

Im Namen des Herrn, der die Seele uns schafft,
Des Weisen, der redende Kehle uns schafft,
Des Herrn, der uns hilft, der so reich ist an Huld,
Der annimmt die Reue, hinwegtilgt die Schuld.
Wer ab von des Mächtigen Tür sich gekehrt,
Es wird sonst an keiner ihm Ehre gewährt;
Des Königes Haupt, wie es stolz auch sich reckt,
Vor ihm liegt es flehend im Staub hingestreckt.
Er fasst nicht sogleich, die im Trotz vor ihm stehn,
Verjagt nicht in Grimm, die Erbarmen erflehn.
Wenn Feindschaft beginnt mit dem Vater der Sohn,
Gewisslich in Zorn wird der Vater entlohn;
Wenn Vetter mit Vetterin Unfrieden steht,
So treibt man ihn fort, wie es Fremden ergeht;
Wenn schnell seine Arbeit der Sklave nicht tut,
So liebt ihn der Herr nicht, ist zu ihm nicht gut;
Wenn willig zu Dienst du den Freunden nicht bist,
Sie fliehn dich auf Meilen in kürzester Frist;
Wenn feig der Soldat sich entzieht der Beschwer,
So stößt ihn der Kriegsherr, sein Fürst, aus dem Heer;
Doch Er, der der Herr über Groß ist und Klein,
Er sperrt vor den Sündern die Speise nicht ein.
Die Erde, er hat sie als Tisch aufgestellt,
Wo Freund so wie Feind seinen Gastteil erhält.
Und weit, wie die Großmut gebreitet ihn hat,
Wird Simurg sogar auf dem Kaf täglich satt.
(Der mythische Riesenvogel auf dem Randgebirge der Welt )
Zu Dienst steht ihm alles: von Adam der Spross,
Die Vögel, die Mücken, der Ameisen Tross.
Dem setzt auf das Haupt er die Krone der Macht,
Den stürzt in den Staub er vom Thron über Nacht,
Lässt Abraham Rosen entstehn aus der Glut,
Das Nilheer zum Brand hinab gehn aus der Flut'.
Wenn jenes das Maß seiner Mildigkeit wies,
Bezeugt seines Urteiles Gültigkeit.
Wenn drohend das Richtschwert er zieht, rings herum
Die Cherubim selbst werden taub dann und stumm,
Doch spendet in dulden er Gnade und Heil;
Erhofft auch der Satan für sich einen Teil
Am Hof seiner Güte und Größe, die Schar
Der Großen, wie stellt sie in Blöße sich dar!
Was hoch, ist und tief, ohne ihn ist da nichts;
Er ist der Gerichtsherr ihn Tag des Gerichts.
Er kennt jedes Stäubchen, wie weit auch sein Reich;
Denn Offenes ist und Verborgnes ihm gleich.
Schlangen und Mieten, er schafft ihnen Brot,
Die Fußlosen, Kraftlosen, keins leidet Not.
Er rief aus NIchtsein das Dasein empor;
Wer sonst brächte Etwas aus Nichts hier hervor?
Ins Schweigen des Nichtseins versenkt er uns drauf
Und ruft auf den Schiedsplatz uns wieder hinauf.
Die Welt bringt ihm göttliche Anbetung dar,
Doch nie wird die Art seines Wesens ihr klar.
Kein Mensch, dessen Aug seinen Tanz je durchdringt,
Kein Sinn, der zur Gotthöhe ganz je sich schwingt,
Kein Geist, dem sich seine Essenz offenbart,
Kein Denken, das je seinen Urgrund gewahrt.
Es folgt uns das Ross nicht an jeglichen Ort,
An manchem, da wirft man den Schild besser fort.
Ein Falk hat die Äugen mit Fäden verspannt;
Ein andrer sie auf, doch die Flügel verbrannt.
 

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