Imam Husain (a.)

Erste Rede Imam Husains (a.) am Tage Aschura in Kerbela

9. oder 10.1.61 n.d.H.

aus: Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

„Ihr Leute des Irak,
hört zu, was ich euch zu sagen habe, und habt keine Eile (mich anzugreifen), damit ich euch wegen meiner Rechte über euch ermahne, so dass ich mich bei euch (von jeglicher Schuld) befreie (indem ich euch die Wahrheit sage). Wenn ihr mir Gerechtigkeit gewährt, dann werdet ihr dadurch glücklicher werden. Wenn ihr mir aber keine Gerechtigkeit gewährt, von euch (als Einzelpersonen), dann einigt euch über eure Angelegenheit, lasst eure Sache nicht in Sorge sein. Dann führt gegen mich aus (was ihr vor habt) und säumt nicht.

Mein Beschützer ist Allah, Der das Buch herabgesandt hat. Und Er beschützt die Rechtschaffenen.’[1]

Dann pries und verherrlichter er Allah und gedachte Ihm, wie es Ihm geziemt. Er bat um Segen (salawat) für den Propheten (s.), und für die Engel Allahs und Seine (anderen) Propheten. Man hörte niemals vor oder nach ihm jemanden, der rhetorisch gewandter war als er.[2] Dann sagte er:

„Verfolgt meine Ahnenreihe zurück und seht, wer ich bin. Dann schaut wieder auf euch und tadelt euch selbst. Überlegt, ob es gut für euch ist, mich zu töten und die Ehre meiner weiblichen Familienmitglieder zu vergewaltigen? Bin ich nicht der Sohn der Tochter eures Propheten, der Sohn seines Testamentsvollstreckers und seines Vetters, des ersten Gläubigen, der den Gesandten Allahs in dem bestätigte, was er von seinem Herrn brachte? War nicht Hamza, der Herr der Märtyrer, mein Onkel? War denn nicht Dscha´far al-Tayyar („der Fliegende“), der mit zwei Flügeln in den Himmel[3] fliegt, mein Onkel? Sind nicht die Worte des Gesandten Allahs (s.) zu euch gedrungen über mich und meinen Bruder: ‚Diese beiden sind die Herren der jungen Männer im Paradies.’?! Ob ihr nun glaubt, was ich sage - und es ist die Wahrheit - denn bei Allah, ich habe nie eine Lüge geäußert, seit ich gelernt hatte, dass Allah diejenigen hasst, die solches tun, oder ob ihr mich als einen Lügner seht, dann sind unter euch solche, die wenn ihr sie fragen würdet, euch (es) sagen würden: ‚Fragt Dschabir ibn ‘Abdillah al-Ansari, Abu Sa´id al-Chudri, Sahl ibn Sa´d al-Sa´idi, Zaid ibn Arqam und Anas ibn Malik’, sie würden euch sagen, dass sie diese Worte von Gesandten Allahs (s.) über mich und meinen Bruder gehört haben. Ist das nicht genug (euch daran zu hindern), mein Blut zu vergießen?!“

„Wenn ich recht verstehe, was er sagt,“ unterbrach Schimr ibn Dhi al-Dschauschan, „dann diene ich Allah nur am Rande[4].“„Bei Allah,“ erwiderte Habib ibn Muzahir, „ich sehe, dass du Allah (nur) am äußersten Rande dienst, und ich bezeuge, dass du das richtig siehst. Du verstehst nicht, was er sagt, denn Allah hat dein Herz (mit Verstocktheit) geprägt.“„Wenn ihr darüber in Zweifel seid, dann zweifelt ihr darüber, dass ich der Sohn der Tochter eures Propheten bin. Bei Allah, unter euch und unter anderen (Völkern) zwischen Osten und Westen ist kein Sohn eines Propheten außer mir. Wehe euch! Fordert ihr (denn Rache) für einen Toten von euch, den ich getötet habe, oder für Eigentum, das ich (unrechtmäßig) durchgebracht habe, oder Vergeltung für eine Verletzung (die ich zugefügt habe)?“ Niemand antwortete. Er rief: „Schabath ibn Rib´i, Hadschar ibn Abdschar, Qais ibn al-Asch´ath, Yazid ibn al-Harith, habt ihr mir nicht geschrieben: ‘Die Frucht ist gereift, die Datteln sind grün geworden, komm zu einer Armee, die für dich aufgestellt worden ist’?!“ – „Wir wissen nicht, wovon du sprichst,“ antwortete Qais ibn al-Asch´ath, „vielmehr solltest du dich der Herrschaft der Söhne deines Onkels[5] beugen. Sie werden dir nur erweisen, was dir gefällt.“„Nein, bei Allah,“ sagte al-Hussain (a.), „ich werde ihm nicht die Hand reichen wie ein Gedemütigter, noch werde ich wie ein (entflohener) Sklave fliehen.“ Dann rief er aus:

 „Und ich nehme meine Zuflucht zu meinem Herrn und eurem Herrn, auf dass ihr mich nicht steinigt.[6]

Ich nehme meine Zuflucht bei meinem Herrn und eurem Herrn vor jedem Hoffärtigen, der nicht an den Tag der Abrechnung glaubt.[7]

Dann ließ er sein Pferd niederknien und befahl ‘Uqba ibn Sim´an, es anzubinden.

[1] Heiliger Qur´an: 7:196

[2] Mit Ausnahme der anderen Imame (a.) - (Anm. d. Übers.)

[3] Gemeint ist das Paradies (Anm. d. Übers.)

[4] also beiläufig (Anm. d. Übers.)

[5] Gemeint sind die Umayyaden (Bani Umayya).

[6] Heiliger Qur´an: 44:20

[7] Heiliger Qur´an: 40:27

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