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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Hüseyin Avni Lifij war ein osmanisch-türkischer Maler der
„Generation 1914“ (auch „Çallı-Generation“ genannt) und zählt
zu den prägenden Figuren der frühen modernen Malerei in der
späten Osmanenzeit und der frühen Republik.
Er ist besonders bekannt für poetisch-symbolische
Bildstimmungen, Landschaften (häufig Istanbul-Ansichten),
Porträts und großformatige Kompositionen, in denen er Licht
und Farbe sehr eigenständig einsetzt.
Seine Familie hatte kaukasische (tscherkessische) Wurzeln.
In den Biografien wird die Migration aus dem Kaukasus in den
osmanischen Raum betont. Als Geburtsort wird häufig
Karaaptalsultan (bei Ladik/Samsun) genannt.
Schon früh zeigte er besondere Neigung zu Zeichnung und
Musik und bemühte sich intensiv um Französisch, was später für
sein Studium in Frankreich wichtig wurde. Lifij bildete sich
ungewöhnlich breit: Er besuchte u.a. Anatomie- sowie
Physik-/Chemie-Lehrveranstaltungen als Gasthörer (für
figuratives Zeichnen und Maltechnik).
Ein entscheidender Schritt war die Förderung durch führende
Kunstinstitutionen und Persönlichkeiten: Er zeigte Arbeiten,
erhielt Unterstützung und ging schließlich mit Förderung nach
Paris, wo er an der École des Beaux-Arts studierte (in
Biografien wird Fernand Cormon als wichtiger Lehrer genannt).
Nach der Rückkehr nach Istanbul
arbeitete er unter anderem als Lehrer an Schulen und
beteiligte sich am Ausstellungsleben, insbesondere an den
Galatasaray-Ausstellungen (dem zentralen Forum neuer
türkischer Malerei jener Zeit).
Im Jahr 1918 nahm er an einer Wiener Ausstellung (unter
anderem mit Kriegsbildern teil. Ab den frühen 1920ern war er
an der Sanayi-i Nefise Mektebi (Akademie/Schule der Schönen
Künste, Vorläuferinstitution der heutigen Mimar Sinan Fine
Arts University) tätig und wirkte am Aufbau bzw. der
Etablierung kunstgewerblicher/ornamentaler Ausbildungsbereiche
mit. Er lehrte dort bis zu seinem Tod. Lifij starb am 2. Juni
1927 in Istanbul.
Lifij ist innerhalb seiner Generation ein Sonderfall, weil
er die impressionistischen Errungenschaften (Farbigkeit,
Licht, Freiluftmalerei) häufig mit einer symbolistischen oder
romantisch-allegorischen Bildlogik verbindet: Figuren,
Atelierszenen oder Landschaften bekommen bei ihm einen
inneren, atmosphärisch aufgeladenen Sinngehalt. Viele Texte
heben hervor, dass er in Landschaften nicht nur topografisch
abbildet, sondern Stimmung, Erinnerung und Imagination
einarbeitet. Seine Istanbul-Ansichten mit architektonischen
Elementen gelten als besonders charakteristisch.
Museumsbiografien betonen außerdem, dass Lifij sich auch
für Fotografie interessierte und kunstkritische Texte
verfasste, was ein Hinweis darauf ist, dass er sich als
reflektierender Künstler in einem sich modernisierenden
Kunstfeld verstand. Er steht exemplarisch für den Übergang von
der spätosmanischen Akademie- und Hofkunst zu einer modernen,
individualisierten Bildsprache.
Sein Gemälde „Schwarzer
Tag“ (Karagün)
befindet sich im
Staatlichen Kunst- und Skulpturenmuseum Ankara (siehe
Foto).

Foto Y.Özoguz (2014 n.Chr.)