Avni Lifij
Hüseyin Avni Lifij

Aussprache: husayn awniy liyfiydsch
arabisch:
حُسَيْن عَوْنِي لِيفِيج
persisch:
حسین عونی لیفیج
englisch:
Huseyin Avni Lifij

??? - ??? n.d.H.
1886 – 2.6.1927 n.Chr.

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Hüseyin Avni Lifij war ein osmanisch-türkischer Maler der „Generation 1914“ (auch „Çallı-Generation“ genannt) und zählt zu den prägenden Figuren der frühen modernen Malerei in der späten Osmanenzeit und der frühen Republik.

Er ist besonders bekannt für poetisch-symbolische Bildstimmungen, Landschaften (häufig Istanbul-Ansichten), Porträts und großformatige Kompositionen, in denen er Licht und Farbe sehr eigenständig einsetzt.

Seine Familie hatte kaukasische (tscherkessische) Wurzeln. In den Biografien wird die Migration aus dem Kaukasus in den osmanischen Raum betont. Als Geburtsort wird häufig Karaaptalsultan (bei Ladik/Samsun) genannt.

Schon früh zeigte er besondere Neigung zu Zeichnung und Musik und bemühte sich intensiv um Französisch, was später für sein Studium in Frankreich wichtig wurde. Lifij bildete sich ungewöhnlich breit: Er besuchte u.a. Anatomie- sowie Physik-/Chemie-Lehrveranstaltungen als Gasthörer (für figuratives Zeichnen und Maltechnik).

Ein entscheidender Schritt war die Förderung durch führende Kunstinstitutionen und Persönlichkeiten: Er zeigte Arbeiten, erhielt Unterstützung und ging schließlich mit Förderung nach Paris, wo er an der École des Beaux-Arts studierte (in Biografien wird Fernand Cormon als wichtiger Lehrer genannt). Nach der Rückkehr nach Istanbul arbeitete er unter anderem als Lehrer an Schulen und beteiligte sich am Ausstellungsleben, insbesondere an den Galatasaray-Ausstellungen (dem zentralen Forum neuer türkischer Malerei jener Zeit).

Im Jahr 1918 nahm er an einer Wiener Ausstellung (unter anderem mit Kriegsbildern teil. Ab den frühen 1920ern war er an der Sanayi-i Nefise Mektebi (Akademie/Schule der Schönen Künste, Vorläuferinstitution der heutigen Mimar Sinan Fine Arts University) tätig und wirkte am Aufbau bzw. der Etablierung kunstgewerblicher/ornamentaler Ausbildungsbereiche mit. Er lehrte dort bis zu seinem Tod. Lifij starb am 2. Juni 1927 in Istanbul.

Lifij ist innerhalb seiner Generation ein Sonderfall, weil er die impressionistischen Errungenschaften (Farbigkeit, Licht, Freiluftmalerei) häufig mit einer symbolistischen oder romantisch-allegorischen Bildlogik verbindet: Figuren, Atelierszenen oder Landschaften bekommen bei ihm einen inneren, atmosphärisch aufgeladenen Sinngehalt. Viele Texte heben hervor, dass er in Landschaften nicht nur topografisch abbildet, sondern Stimmung, Erinnerung und Imagination einarbeitet. Seine Istanbul-Ansichten mit architektonischen Elementen gelten als besonders charakteristisch.

Museumsbiografien betonen außerdem, dass Lifij sich auch für Fotografie interessierte und kunstkritische Texte verfasste, was ein Hinweis darauf ist, dass er sich als reflektierender Künstler in einem sich modernisierenden Kunstfeld verstand. Er steht exemplarisch für den Übergang von der spätosmanischen Akademie- und Hofkunst zu einer modernen, individualisierten Bildsprache.

Sein Gemälde Schwarzer Tag“ (Karagün) befindet sich im Staatlichen Kunst- und Skulpturenmuseum Ankara (siehe Foto).

Foto Y.Özoguz (2014 n.Chr.)

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de