Belacane
Belacane

Aussprache: biylaakaana
arabisch:
بِيلاكَانِه
persisch:
بیلاکانه
englisch:
Belakane

Bild: KI-generiert (2026 n.Chr.)

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Belacane, meist auch Belakane geschrieben, ist eine literarische Figur aus Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versepos „Parzival“, das um 1200–1210 n.Chr. entstand.

Belacane ist die dunkelhäutige Königin des erfundenen Landes Zazamanc. Parzivals Vater Gahmuret gelangt auf seinen Reisen in ihr Reich, das belagert wird. Er hilft ihr militärisch, besiegt ihre Gegner und heiratet sie. Aus der Verbindung entsteht der Sohn Feirefiz, Parzivals Halbbruder, dessen Haut im Epos als schwarz-weiß gefleckt beschrieben wird.

Gahmuret verlässt Belacane jedoch noch während ihrer Schwangerschaft. Als Begründung führt er später unter anderem an, dass sie nicht getauft sei. Belacane wird dadurch zu einer tragischen Figur: Sie erscheint als treue, höfische und moralisch vorbildliche Frau, wird aber wegen ihrer Herkunft und Religion verlassen.

Wolfram bezeichnet Belacane als „Heidin“. Im mittelalterlichen christlichen Sprachgebrauch bedeutete das zunächst allgemein: Sie war keine Christin. Belacane lebt zwar in einer literarischen Orient- und Afrikawelt, die auch Bezüge zu Bagdad und zum Kalifen enthält. Deshalb wird sie in modernen Darstellungen gelegentlich als „muslimische“, „maurische“ oder „sarazenische“ Königin bezeichnet. Der Text selbst gibt ihr aber keine klar ausgearbeitete islamische Identität: Ihre dargestellte Religion entspricht eher dem unscharfen mittelalterlichen Konzept des „Heidentums“.

Obwohl Belacane nicht christlich ist, zeichnet Wolfram sie keineswegs als moralisch minderwertig. Im Gegenteil: Sie besitzt zentrale höfische Tugenden wie Treue, Würde, Gastfreundschaft und Aufrichtigkeit. Ihre gesellschaftlichen Umgangsformen unterscheiden sich kaum von denen einer idealisierten christlichen Hofdame.

Das macht Gahmurets Verhalten problematisch: Er verlässt nicht etwa eine schlechte oder grausame Frau, sondern eine tugendhafte Ehefrau. Ihre fehlende Taufe dient ihm dabei teilweise als Rechtfertigung für seine eigene Unbeständigkeit.

Im Sängersaal von Schloss Neuschwanstein befindet, ist an der Wand ein Bild, das Belacane darstellen soll. Der Sängersaal liegt im vierten Obergeschoss des östlichen Palas. Seine Wandmalereien zeigen überwiegend Szenen aus Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und der Gralsüberlieferung. Zu diesem Bildzyklus gehört auch die Vorgeschichte Parzivals um dessen Vater Gahmuret und die Königin Belacane.

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