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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Belacane, meist auch Belakane geschrieben, ist eine
literarische Figur aus Wolfram von Eschenbachs
mittelhochdeutschem Versepos „Parzival“, das um 1200–1210
n.Chr. entstand.
Belacane ist die dunkelhäutige Königin des erfundenen
Landes Zazamanc. Parzivals Vater Gahmuret gelangt auf seinen
Reisen in ihr Reich, das belagert wird. Er hilft ihr
militärisch, besiegt ihre Gegner und heiratet sie. Aus der
Verbindung entsteht der Sohn Feirefiz, Parzivals Halbbruder,
dessen Haut im Epos als schwarz-weiß gefleckt beschrieben
wird.
Gahmuret verlässt Belacane jedoch noch während ihrer
Schwangerschaft. Als Begründung führt er später unter anderem
an, dass sie nicht getauft sei. Belacane wird dadurch zu einer
tragischen Figur: Sie erscheint als treue, höfische und
moralisch vorbildliche Frau, wird aber wegen ihrer Herkunft
und Religion verlassen.
Wolfram bezeichnet Belacane als „Heidin“. Im
mittelalterlichen christlichen Sprachgebrauch bedeutete das
zunächst allgemein: Sie war keine Christin. Belacane lebt zwar
in einer literarischen Orient- und Afrikawelt, die auch Bezüge
zu Bagdad und zum Kalifen enthält. Deshalb wird sie in
modernen Darstellungen gelegentlich als „muslimische“,
„maurische“ oder „sarazenische“ Königin bezeichnet. Der Text
selbst gibt ihr aber keine klar ausgearbeitete islamische
Identität: Ihre dargestellte Religion entspricht eher dem
unscharfen mittelalterlichen Konzept des „Heidentums“.
Obwohl Belacane nicht christlich ist, zeichnet Wolfram sie
keineswegs als moralisch minderwertig. Im Gegenteil: Sie
besitzt zentrale höfische Tugenden wie Treue, Würde,
Gastfreundschaft und Aufrichtigkeit. Ihre gesellschaftlichen
Umgangsformen unterscheiden sich kaum von denen einer
idealisierten christlichen Hofdame.
Das macht Gahmurets Verhalten problematisch: Er verlässt
nicht etwa eine schlechte oder grausame Frau, sondern eine
tugendhafte Ehefrau. Ihre fehlende Taufe dient ihm dabei
teilweise als Rechtfertigung für seine eigene Unbeständigkeit.
Im Sängersaal von
Schloss Neuschwanstein befindet, ist an der Wand ein Bild,
das Belacane darstellen soll. Der Sängersaal liegt im vierten
Obergeschoss des östlichen Palas. Seine Wandmalereien zeigen
überwiegend Szenen aus Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und
der Gralsüberlieferung. Zu diesem Bildzyklus gehört auch die
Vorgeschichte Parzivals um dessen Vater Gahmuret und die
Königin Belacane.