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.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Fatima Elizabeth Cates war eine der frühesten britischen
Muslim-Konvertitinnen im 19. Jh. und eine zentrale
Persönlichkeit in der Gründung der ersten muslimischen
Gemeinschaft und Moschee im
Vereinigten Königreich.
Sie ist am 5. Januar 1865 als Frances Elizabeth Murray in
Birkenhead (England) als Tochter von Agnes (geb. Mitchell) und
John Murray, einem irischstämmigen Marktarbeiter, geboren. Ihr
Vater starb, als sie fünf Jahre alt war, und ihre Mutter
heiratete später erneut. Frances wuchs in einem strengen
christlichen Umfeld auf und hatte eine prekäre ökonomische
Kindheit gegen Ende der viktorianischen Ära.
Als junge Erwachsene war Frances aktiv in der
Temperance-Bewegung, die den Alkoholmissbrauch
gesellschaftlich bekämpfte. Sie wurde Sekretärin des lokalen
Birkenhead-Zweigs der Prohibition Association und setzte sich
gegen die allgegenwärtige Trinkkultur ihrer Heimatstadt ein.
Ihre Hinwendung zum Islam
begann, als sie einen Vortrag von
Abdullah Quilliam
besuchte, der über den Propheten
Muhammad (s.) als Vorbild gegen Alkoholkonsum sprach.
Quilliam schenkte
ihr eine Kopie des Heiligen Quran
mit der Aufforderung, selbstständig zu studieren. Trotz
heftiger familiärer Ablehnung – ihre Mutter versuchte das Buch
zu verbrennen – vertiefte sie sich in die Lektüre und
entschied sich den Islam
anzunehmen.
Im Juli 1887 legte sie das
Glaubensbekenntnis [schahada]
ab und nahm den Namen
Fatima nach der
Tochter des Propheten
Muhammad (s.) an. Nach der Konversion arbeitete Fatima
Cates eng mit Abdullah
Quilliam und anderen Konvertiten zusammen. Sie wurde:
 | Mitbegründerin der Liverpool Muslim Society / Liverpool
Muslim Institute |
 | Erste Schatzmeisterin der Gemeinschaft |
 | Mitglied des Ladies Committee der Organisation bis 1896.
Die Organisation wirkte als zentrale Anlaufstelle für den
Islam im viktorianischen Großbritannien und betrieb eine
Woche-Tagesmoschee, Bildungsprogramme und Publikationen.
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Sie schrieb zudem in Zeitungen und Publikationen über den
Islam und war eine der wenigen weiblichen Stimmen der
frühesten muslimischen Gemeinschaft in England, darunter auch
Gedichte wie
„A Moslimah’s Prayer“ (Gebet einer Muslima), das 1892 in
dem Gesangbuch des Instituts erschien.
Im Jahr 1889 heiratete sie Hubert Henry Cates, einen
Marineingenieur, im Liverpool Cathedral Church of St. Peter.
Ihre Ehe war jedoch geprägt von Konflikten: Fatima beschrieb
ihren Ehemann als gewalttätig und unberechenbar, und sie
trennte sich von ihm juristisch, wobei sie eine Trennung auf
Grund von Ehebruch und Misshandlung durchsetzte. Nach der
Scheidung lebten sie getrennt, und Hubert starb 1895.
1896 wurde Fatima Mutter eines Sohnes (Hubert Haleem Cates).
Es gab zeitgenössische Spekulationen über familiäre
Beziehungen innerhalb ihres sozialen Umfelds, doch die
Quellenlage dazu ist nicht eindeutig gesichert.
Fatima Cates’ Engagement für den
Islam und für die muslimische Gemeinschaft setzte sich bis
in die späten 1890er Jahre fort, doch aus verschiedenen
Gründen – darunter gesundheitliche Verschlechterung – zog sie
sich teilweise zurück. Sie erkrankte im Oktober 1900 schwer an
einer Erkältung, die sich verschlimmerte, und starb am 29.
Oktober 1900 im Alter von nur 35 Jahren in Liverpool. Sie
wurde auf dem Anfield Cemetery in Liverpool beigesetzt.
auf ihrem Gabstein steht ein von ihr verfasstes Gedicht:
| A faithful servant of Allah
FATIMA ELIZABETH CATES 1865 – 1900
Then may we ever heed, The warning God has given, That
so we may in safety tread The road that leads to Heaven
FEC 1892 |
Eine treue Dienerin Allahs FATIMA
ELIZABETH CATES 1865 – 1900
So mögen wir stets beachten, die Warnung, die Gott
gegeben hat, damit wir in Sicherheit beschreiten den Weg,
der zum Himmel führt.
FEC 1892 |
„FEC 1892“ verweist sehr wahrscheinlich auf die Initialen
Fatima Elizabeth Cates und das Jahr der Abfassung des Gedichts
(1892).
Fatima Cates gilt heute als eine der ersten dokumentierten
muslimischen Konvertitinnen in Großbritannien, als eine
Pionierin der muslimischen Frauen in Europa und maßgebliche
Mitbegründerin der ersten organisierten muslimischen
Gemeinschaft mit Moschee in England.
Nach Jahrzehnten des Vergessens wurde ihr Leben in jüngerer
Zeit wiederentdeckt und unter anderem in
Gemeinschaftspublikationen und akademischen Studien zum frühen
Islam in Großbritannien gewürdigt. |