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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Janab oder Dschanab, auch Janab, Janaab oder Janob geschrieben
ist eine unter
Muslimen verwendete Distanzanrede, die im Englischen mit
„Sir“ und im Deutschen mit „Geehrter“ wiedergegeben werden
kann.
Der Titel wurde von vielen islamischen Dichtern und
Schriftstellern getragen. Die zusammengesetzte Anredeform
Janab-e-Aschraf (جنابِ اشرف), was wörtlich etwa „das Feld der
Ehre“ bedeuten würde) wurde von Premierministern geführt und
kann mit „Seine Durchlaucht“ oder „Euer Ehren“ übersetzt
werden.
Im arabischsprachigen
Nahen Osten wurde der Titel verwendet, um bestimmte hohe
Amtsträger oder besonders respektierte Personen anzusprechen.
Er kann auch als höflicher Titel nach dem Familiennamen eines
Mannes oder als Sammelbezeichnung im Sinne von „Herr“ vor
einer Liste männlicher Namen gebraucht werden. Wörtlich kann
er auch die Bedeutung von „der Hochgeehrte“ haben. Dieselbe
Bedeutung besitzt der Begriff auch im Bengalischen, Urdu und
Hindi.
In der klassisch Welt der
Muslime war Janab eine höfliche Distanzanrede, ein Zeichen
von Respekt, Rang und Würde aber kein Adelstitel im engeren
Sinn, sondern eine Ehrenbezeichnung. Sie wurde wurde verwendet
für hohe Beamte,
Gelehrte [faqih] und Würdenträger. Janab bezeichnete
Würde, nicht Souveränität.
„Janab war vor dem Kolonialismus“ bei den
Osmanen,
Safawiden und
Qadscharen Teil einer feinen Ranghierarchie. Am Hof der
Schahanschahs Persiens aus der kaiserlichen
Qadscharen-Dynastie war der Vorrang nichtdynastischer
Personen in acht protokollarischen Klassen geregelt, die im
Allgemeinen mit bestimmten Ämtern und Eigenschaften verbunden
waren. Die höchste dieser Klassen, mit der Anrede „Nawab“, war
gewöhnlich Prinzen vorbehalten, während die übrigen Klassen an
verschiedene Minister, Offiziere, Befehlshaber, muslimische
Geistliche und andere verliehen wurden. Unmittelbar unter
Nawab und „Schachs-i-Awwal“ (gewöhnlich amtierende oder
ehemalige Premierminister) rangierte Janab; dieser Titel wurde
von ranghohen Staatsministern und hochgestellten Geistlichen
getragen.
Mit dem britischen Kolonialismus kam es zu einer Umdeutung.
Die britische Kolonialverwaltung übernahm lokale Titel,
verstand sie aber oft falsch, standardisierte sie für
Verwaltungszwecke und entwertete sie durch inflationären
Gebrauch. Janab wurde im kolonialen Kontext zunehmend zu einer
formelhaften Höflichkeitsanrede als Ersatz für „Mr.“ oder
„Sir“. Damit verlor der Titel seinen elitären Charakter.
Das war kein Zufall, sondern Teil kolonialer Herrschaft:
Traditionelle Ehrsysteme wurden nicht abgeschafft, sondern
verwässert. Alte Titel blieben erhalten, aber ohne reale
Macht. Würde wurde sprachlich simuliert, politisch aber
entleert. Das Ergebnis war, dass einheimische Eliten sich
geehrt fühlten. Tatsächliche Entscheidungsmacht hingegen
lag bei der Kolonialverwaltung, was ein klassisches Beispiel
für symbolische Herrschaft ist.
Nach der formellen Unabhängigkeit vom Kolonialismus blieb
Janab im Sprachgebrauch und wandelte sich zu einer formalen
Höflichkeitsanrede. Der Begriff entspricht heute meist dem
deutschen „Herr“. In Urdu, Hindi, Bengali ist Janab heute
respektvoll, aber nicht elitär und oft leicht ironisch oder
bürokratisch gefärbt.