Historienanalogie
Historische Analogie

Aussprache: al-qiyaas at-taariychiyya
arabisch:
القياس التاريخي
persisch:
قیاس تاریخی
englisch:
Historical Analogy

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Eine historische Analogie ist ein Vergleich zwischen einem früheren geschichtlichen Ereignis und einer späteren oder gegenwärtigen Situation. Dabei wird angenommen, dass beide Fälle bestimmte ähnliche Strukturen, Muster oder Dynamiken aufweisen.

Historische Analogien dienen dazu, aus einem früheren Ereignis zu erkennen, das Erkenntnisse daraus auch für ein heutiges Ereignis aufschlussreich sein kann. Durch historische Analogien können wiederkehrende Muster erkannt werden wie z.B.: Machtmissbrauch, Unterdrückung, Kolonisierung, Widerstand, Vertreibung, Propaganda, religiöse oder politische Verfolgung, moralische Entscheidungen in Krisenzeiten.

Ein Beispiel wäre, eine heutige Form von Tyrannei mit früheren Tyrannen zu vergleichen. Oder man zieht eine Verbindung zwischen früherer kolonialer Gewalt und heutigen Vertreibungs- oder Besatzungssituationen.

Wenn jemand z.B. sagt: „Der Yazid unserer Zeit“, dann wird Yazid ibn Muawiya nicht als historische Einzelperson verstanden, sondern als Vergleichsfigur für heutige Unterdrückung. Das ist eine historische Analogie. Eines der bekanntesten Ausdrücke der historische Analogie im Islam ist: Jeder Tag ist Aschura und jeder Ort ist Kerbela.

Eine historische Analogie kann sehr wirkungsvoll sein, weil sie komplexe Ereignisse moralisch und politisch einordnet. Sie macht deutlich: So etwas hat es in anderer Form schon einmal gegeben. Dadurch kann sie warnen, aufklären, mobilisieren oder Trost und Orientierung geben.

Die Grenze einer historische Analogie liegt in den Unterschieden der Ereignisse. Kein geschichtliches Ereignis wiederholt sich exakt. Zeiten, Akteure, Ursachen, Mittel und Folgen unterscheiden sich. Aber Grundprinzipien bleiben oft gleich.

Der Heilige Quran nutzt sehr deutlich eine Form von historischer Analogie. Darin werden frühere Ereignisse nicht nur als Vergangenheit, sondern als Lehrmuster für Gegenwart und Zukunft erzählt. Frühere Völker, Propheten, Tyrannen und Gemeinschaften werden erwähnt, damit spätere Menschen daraus erkennen, welche Folgen Glaube, Ungerechtigkeit, Hochmut, Verfolgung, Standhaftigkeit oder Reue haben.

Der Heilige Quran verweist ausdrücklich darauf, dass in den Geschichten früherer Menschen eine Lehre liegt:

لَقَدْ كَانَ فِي قَصَصِهِمْ عِبْرَةٌ لِأُولِي الْأَلْبَابِ
„Gewiss, in ihren Geschichten liegt eine Lehre für die Verständigen.“ (Heiliger Quran 12:111)

Das Wort „Ibra“ [عِبْرَة] bedeutet Lehre, Mahnung, Betrachtung, Übergang von einem sichtbaren Fall zu einer tieferen Bedeutung. Genau das ist der Kern historischer Analogie: Ein vergangenes Ereignis wird betrachtet, um ein gegenwärtiges oder allgemeines Muster zu verstehen.

Nach der Erzählung von Geschichten früherer Völker heißt es im Heiligen Quran:

فَاعْتَبِرُوا يَا أُولِي الْأَبْصَارِ
„So zieht Lehre daraus, o ihr, die Einsicht besitzen.“ (Heiliger Quran 59:2)

Hier ist das Verb iʿtabiru [اعتبروا i] zentral und bedeutet sinngemäß: „zieht eine Lehre“, „übertragt die Einsicht“, „nehmt es als warnendes Beispiel“. So behandelt der Heilige Quran einen Pharao als wiederkehrender Typus des Tyrannen und des hochmütigen Unterdrückers.

Der Heilige Quran verweist gegenwärtige Generationen darauf, dass sie ähnliche Prüfungen erleben werden wie frühere Gemeinschaften:

أَمْ حَسِبْتُمْ أَنْ تَدْخُلُوا الْجَنَّةَ وَلَمَّا يَأْتِكُمْ مَثَلُ الَّذِينَ خَلَوْا مِنْ قَبْلِكُمْ
„Oder meint ihr, ihr würdet ins Paradies eingehen, ohne dass euch das Gleichnis derer erreicht hätte, die vor euch dahingegangen sind?“ (Heiliger Quran 2:214)

Historische Analogie kann auch mit anderen Fachbegriffen wiedergegeben werden wie „Aktualisierung“,  „Gegenwartsbezug“, „Relektüre / Neuinterpretation“, „Typologische Deutung“ und „Paradigmatisierung“.

Gemälde aus der Islamischen Republik Iran (2026 n.Chr.) mit Imam Husain (a.), an der Hand seine Tochter Ruqaya bint Husain (linke Bildhälfte) und Imam Sayyid Ali Chamenei mit seinem Enkelkind Zahra Mohammadi Golpayegani, die bei der Ermordung Imam Chameneis mit starb.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de