Ibn ʿAbd Rabbih, häufig etwas ungenau „Ibn Abdurraab“
ausgesprochen, war ein bedeutender andalusisch-arabischer
Dichter, Literat und Gelehrter. Er ist vor allem als Verfasser
des enzyklopädischen Adab-Werkes al-ʿIqd al-Farīd bekannt.
Sein vollständiger Name lautet: أبو عمر أحمد بن محمد بن عبد
ربه القرطبي Abu Umar Ahmad ibn Muhammad ibn Abd Rabbih
al-Qurdubi.
Er wurde im Jahr 246
n.d.H. (860 n. Chr.) in
Cordoba geboren und starb dort 328
n.d.H. (940 n. Chr.). Der Name Ibn Abd Rabbih bedeutet
wörtlich: „Sohn des Abd Rabbih“ und Abd Rabbih heißt „Diener
seines Herrn“. Die übliche wissenschaftliche Umschrift ist
daher Ibn Abd Rabbih. Dennoch wird er oft fälschlicherweise
als „Ibn Abdurraab“ wiedergegeben.
Ibn Abd Rabbih lebte im islamischen
Andalusien unter der Herrschaft der
Umayyaden von
Cordoba. Seine Familie soll von einem freigelassenen
Sklaven des umayyadischen Herrscherhauses abgestammt haben. Er
gehörte somit nicht selbst zur umayyadischen Dynastie, war
aber eng mit deren kulturellem und höfischem Umfeld verbunden.
Er erhielt in Córdoba eine breite klassische Ausbildung.
Dazu gehörten wahrscheinlich: arabische Sprache und Grammatik,
Dichtung, Geschichte und Genealogie, Hadith und religiöse
Überlieferung, islamische Rechtslehre, Koranexegese, Redekunst
und höfische Bildung.
Er war berühmt als Adib. Der Begriff Adib bezeichnet in der
klassischen arabischen Kultur einen umfassend gebildeten
Literaten: jemanden, der Sprache, Poesie, Geschichte,
Anekdoten, Politik, Ethik und gesellschaftliche Umgangsformen
beherrscht.
Ibn ʿAbd Rabbih stand dem umayyadischen Hof von Córdoba
nahe. Er schrieb Lobgedichte für Herrscher und hochrangige
Persönlichkeiten und genoss den Ruf eines gelehrten
Hofdichters. Er lebte unter mehreren umayyadischen Emiren
beziehungsweise Kalifen, besonders in der Zeit von: Abdallah ibn Muhammad (herrschte 888-912 n.Chr.)
und
Abdurrahman III. (912-929 n.Chr.).
Seine Werke zeigen, dass er die politische und literarische
Kultur des arabischen Ostens sehr gut kannte, obwohl er selbst
offenbar nicht oder nur wenig in den Osten reiste. Einen
großen Teil seines Wissens gewann er aus Büchern und aus der
andalusischen Gelehrtentradition.
Als sein Hauptwerk gilt
Al-Iqd
al-Farid. Neben seinem Hauptwerk war Ibn ʿAbd Rabbih ein
anerkannter Dichter. Er verfasste Lobgedichte, Liebesdichtung,
Weisheitsgedichte, Klagegedichte und religiös gefärbte
Gedichte.
In späteren Lebensjahren soll er einen Teil seiner früheren
Liebes- und Unterhaltungsdichtung bereut und eine
Gegendarstellung geschrieben haben. Dabei dichtete er
religiöse oder moralische Gegengedichte zu Versen seiner
Jugend.
In seinen letzten Lebensjahren litt Ibn Abd Rabbih nach
biografischen Berichten an einer Lähmung oder schweren
körperlichen Erkrankung. Er starb 940 n.Chr. in
Cordoba im Alter von ungefähr 80 Jahren.