.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Mouhanad Khorchide ist ein österreichischer islamischer
Theologe, Soziologe und Religionspädagoge palästinensischer
Herkunft, der in Deutschland Hochschullehrer ist.
Er ist am 6. September 1971 in
Beirut
geboren. Seine Großeltern waren aus
Palästina in den
Libanon geflohen. Sie reisten weiter nach Riad in
Saudi-Arabien, wo er zusammen mit zwei Geschwistern aufwuchs.
Er kam 1989 als 18-Jähriger nach Österreich und erhielt
vier Jahre später die österreichische Staatsbürgerschaft. Er
begann mit dem Studium der Humanmedizinstudium in Wien (1990
bis 1993), brach dieses aber ohne Abschluss ab. Es folgte ein
BWL-Fernstudium an der Studiengemeinschaft Darmstadt (1994 bis
1997) das ebenfalls abgebrochen wurde. Daraufhin führte er
eine Import-Export-Firma und finanzierte sich von Oktober 1999
bis Dezember 2004 ein Islam-Fernstudium an der Universität
Imam al-Auzāʿī in Beirut, an der er einen Hochschulabschluss
in islamischer Theologie erwarb. Von Oktober 2000 bis Februar
2007 studierte er Soziologie an der Universität Wien und
schloss das Studium mit einem Magister der Soziologie ab.
Seit Juli 2010 ist Khorchide Professor für Islamische
Religionspädagogik an der Universität Münster. Dort ist er
zugleich Geschäftsführender Direktor des Zentrums für
Islamische Theologie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in
der islamischen Religionspädagogik und Didaktik, modernen
Zugängen zur Koranhermeneutik, systematischer islamischer
Theologie sowie dem Islam in Europa. Er wurde als Nachfolge
des ehemaligen
Muslims
Sven
Kalisch berufen.
Vor seiner Berufung nach Münster arbeitete Khorchide unter
anderem als Religionslehrer für islamischen
Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Wien, als
Universitätsassistent an der Universität Wien und als Dozent
in der Ausbildung islamischer Religionslehrerinnen und
Religionslehrer. 2016/17 war er internationaler Gastdozent am
Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg. 2019 erhielt er
den Toleranzring der Europäischen Akademie der Wissenschaften
und Künste.
Khorchide ist besonders für eine theologische Deutung des
Islam
bekannt, die Gottes
Gnade,
religiöse Bildung, Humanismus und die Vereinbarkeit
islamischer Theologie mit pluralistischen Gesellschaften
betont. Zu seinen bekannten Veröffentlichungen zählen unter
anderem Arbeiten zur islamischen Religionspädagogik, zur
Quranhermeneutik und zum
Islam
in Europa. In diesem Zusammenhang hat er mehrere Werke
verfasst. Berühmt wurde sein Buch: „Islam ist Barmherzigkeit“
(2012).
Kritiker unter
Muslimen werfen ihm aber vor, dass die von ihm
beschriebene Barmherzigkeit sich offensichtlich vor allem
gegen Nicht-Muslime richtet, wohingegen Khorchide bezüglich
Verfolgung von
Muslimen mit staatlichen Institutionen zusammenarbeitet.
Im Juli 2020 stellte Khorchide gemeinsam mit Lorenzo Vidino
und der zuständigen Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP)
die Dokumentationsstelle Politischer Islam vor und er leitet
seitdem den wissenschaftlichen Beirat. Khorchide ist
wissenschaftlicher Leiter der seit April 2024 am Zentrum für
Islamische Theologie in Münster ansässigen Forschungsstelle
„Islam und Politik“.
Khorchide setzt sich für Säkularität ein. Als Argument für
einen modernen, säkular zu verstehenden
Islam
betrachtet er hierbei eine in
Sahih Muslim verzeichnete
Überlieferung [hadith], wonach
Prophet Muhammad (s.) seinen Anhängern im Zusammenhang mit
dem Anbau von Dattelpalmen erklärt haben soll, dass sie seine
Anweisungen nur dann zu befolgen hätten, wenn sie die Religion
beträfen, ansonsten aber nicht. Jene
Überlieferung [hadith] wird von allen
Schiiten und zunehmend auch von
Sunniten als unglaubwürdig eingestuft. Im Wahlkampf zu den
Nationalratswahlen in Österreich 2017 unterstützte Mouhanad
Khorchide den damaligen ÖVP-Chef Sebastian Kurz und warnte vor
dem „Politischen Islam“.
Sein gutachterliches Wirken und die von ihm gegründeten und
unterstützten Institutionen haben dazu geführt, dass er von
allen maßgeblichen islamischen Verbänden in Österreich und
Deutschland abgelehnt wird. Seine Befürwortung von
Moscheeschließungen in Österreich 2018, die später als
rechtwidrig eingestuft worden sind, verstärkte den Eindruck,
dass Khorchide vor allem gegen
Muslime agiere. In der
Operation Luxor unterstützte er staatliche Stellen mit
seinen Gutachten, obwohl sich die Operation später als größtes
juristisches Fiasko der österreichischen Geschichte darstellen
sollte.
Farid Hafez kritisiert Khorchide in seinem Werk zum Thema
ausführlich.
Auch die angebliche Nähe von Khorchide zu autoritären
Regimen führte zu Kritik an seiner Person. Insbesondere die
Kritik an der Nähe Khorchides zum ägyptischen Militärregime
wuchs so stark, dass die Universität Münster in ihrer
Universitätszeitung ein offizielles Statement von Khorchide
veröffentlichte, wonach er nicht mit dem ägyptischen Regime
zusammenarbeite.
Khorchide hat einen Sohn, der 1999 geboren ist.