Khorchide
Mouhanad Khorchide

Aussprache: muhannad churschiyd
arabisch:
مُهَنَّد خُورْشِيد
persisch:
مؤهند خورشید
englisch:
Mouhanad Khorchide

6.9.1971 - heute n.Chr.

Bild: KI-generiert 2026 n.Chr.

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Mouhanad Khorchide ist ein österreichischer islamischer Theologe, Soziologe und Religionspädagoge palästinensischer Herkunft, der in Deutschland Hochschullehrer ist.

Er ist am 6. September 1971 in Beirut geboren. Seine Großeltern waren aus Palästina in den Libanon geflohen. Sie reisten weiter nach Riad in Saudi-Arabien, wo er zusammen mit zwei Geschwistern aufwuchs.

Er kam 1989 als 18-Jähriger nach Österreich und erhielt vier Jahre später die österreichische Staatsbürgerschaft. Er begann mit dem Studium der Humanmedizinstudium in Wien (1990 bis 1993), brach dieses aber ohne Abschluss ab. Es folgte ein BWL-Fernstudium an der Studiengemeinschaft Darmstadt (1994 bis 1997) das ebenfalls abgebrochen wurde. Daraufhin führte er eine Import-Export-Firma und finanzierte sich von Oktober 1999 bis Dezember 2004 ein Islam-Fernstudium an der Universität Imam al-Auzāʿī in Beirut, an der er einen Hochschulabschluss in islamischer Theologie erwarb. Von Oktober 2000 bis Februar 2007 studierte er Soziologie an der Universität Wien und schloss das Studium mit einem Magister der Soziologie ab.

Seit Juli 2010 ist Khorchide Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. Dort ist er zugleich Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Islamische Theologie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der islamischen Religionspädagogik und Didaktik, modernen Zugängen zur Koranhermeneutik, systematischer islamischer Theologie sowie dem Islam in Europa. Er wurde als Nachfolge des ehemaligen Muslims Sven Kalisch berufen.

Vor seiner Berufung nach Münster arbeitete Khorchide unter anderem als Religionslehrer für islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Wien, als Universitätsassistent an der Universität Wien und als Dozent in der Ausbildung islamischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer. 2016/17 war er internationaler Gastdozent am Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg. 2019 erhielt er den Toleranzring der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Khorchide ist besonders für eine theologische Deutung des Islam bekannt, die Gottes Gnade, religiöse Bildung, Humanismus und die Vereinbarkeit islamischer Theologie mit pluralistischen Gesellschaften betont. Zu seinen bekannten Veröffentlichungen zählen unter anderem Arbeiten zur islamischen Religionspädagogik, zur Quranhermeneutik und zum Islam in Europa. In diesem Zusammenhang hat er mehrere Werke verfasst. Berühmt wurde sein Buch: „Islam ist Barmherzigkeit“ (2012).

Kritiker unter Muslimen werfen ihm aber vor, dass die von ihm beschriebene Barmherzigkeit sich offensichtlich vor allem gegen Nicht-Muslime richtet, wohingegen Khorchide bezüglich Verfolgung von Muslimen mit staatlichen Institutionen zusammenarbeitet.

Im Juli 2020 stellte Khorchide gemeinsam mit Lorenzo Vidino und der zuständigen Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) die Dokumentationsstelle Politischer Islam vor und er leitet seitdem den wissenschaftlichen Beirat. Khorchide ist wissenschaftlicher Leiter der seit April 2024 am Zentrum für Islamische Theologie in Münster ansässigen Forschungsstelle „Islam und Politik“.

Khorchide setzt sich für Säkularität ein. Als Argument für einen modernen, säkular zu verstehenden Islam betrachtet er hierbei eine in Sahih Muslim verzeichnete Überlieferung [hadith], wonach Prophet Muhammad (s.) seinen Anhängern im Zusammenhang mit dem Anbau von Dattelpalmen erklärt haben soll, dass sie seine Anweisungen nur dann zu befolgen hätten, wenn sie die Religion beträfen, ansonsten aber nicht. Jene Überlieferung [hadith] wird von allen Schiiten und zunehmend auch von Sunniten als unglaubwürdig eingestuft. Im Wahlkampf zu den Nationalratswahlen in Österreich 2017 unterstützte Mouhanad Khorchide den damaligen ÖVP-Chef Sebastian Kurz und warnte vor dem „Politischen Islam“.

Sein gutachterliches Wirken und die von ihm gegründeten und unterstützten Institutionen haben dazu geführt, dass er von allen maßgeblichen islamischen Verbänden in Österreich und Deutschland abgelehnt wird. Seine Befürwortung von Moscheeschließungen in Österreich 2018, die später als rechtwidrig eingestuft worden sind, verstärkte den Eindruck, dass Khorchide vor allem gegen Muslime agiere. In der Operation Luxor unterstützte er staatliche Stellen mit seinen Gutachten, obwohl sich die Operation später als größtes juristisches Fiasko der österreichischen Geschichte darstellen sollte. Farid Hafez kritisiert Khorchide in seinem Werk zum Thema ausführlich.

Auch die angebliche Nähe von Khorchide zu autoritären Regimen führte zu Kritik an seiner Person. Insbesondere die Kritik an der Nähe Khorchides zum ägyptischen Militärregime wuchs so stark, dass die Universität Münster in ihrer Universitätszeitung ein offizielles Statement von Khorchide veröffentlichte, wonach er nicht mit dem ägyptischen Regime zusammenarbeite.

Khorchide hat einen Sohn, der 1999 geboren ist.

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