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Dr. Fachri Yasin Qadduri (oder Fakhri Kaddori) war ein
Gründungsmitglied der Baath-Partei im
Irak,
die als Schwesterpartei der Baath-Partei in
Syrien
gegründet worden ist.
Fachri Qadduri wurde am 28. August 1932 als fünftes von
sieben Kindern in
Bagdad
geboren. Sein Vater Yasin Qadduri und seine Mutter Rafiqa
entsammte Familien von ländlichen Grundbesitzern und Händlern.
Sein Vater war Rechtsanwalt, hatte aber in den 1920er Jahren
Agrarland erworben, das er von
Bagdad
aus verwaltete. Als Rechtsanwalt wurde er sehr berühmt durch
die Verteidigung einiger spektakulärer Fälle gegen die
britischen Besatzer. Dazu zählte die Verteidigung desjenigen,
der
Oberstleutnant Gerard Leachman getötet hatte.
Fachri Qadduri wuchs in der Zeit der Monarchie, das heißt
in der frühen Formierungsphase des neu entstandenen Staates
Irak
auf. Damit erlebte er den Kolonialismus der
Westlichen Welt. Damals kam als Gegenbewegung die Idee des
Panarabismus auf, die Fachri Qadduri begeisterte. Er wollte
einen eigenen arabischen Weg bei der wirtschaftlichen,
politischen und sozialen Entwicklung der Region in die Moderne
etablieren und die Erdölressourcen der Region der Ausbeutung
durch die
Westlichen Welt entziehen.
Bereits während seiner Schulzeit engagierte sich Fachri
Qadduri politisch, wurde ein Jahr vor dem Abitur sogar für
einige Zeit seiner Schule verwiesen, weil er sich bei einer
verbotenen antiimperialistischen Demonstrationen beteiligt
hatte.
Zu Beginn seines Studiums kam er Ende der 1940er Jahre in
Bagdad
in Kontakt mit der Gruppe syrischer Studenten, die das
Programm von panarabischer Einheit, Freiheit und arabischem
Sozialismus durch die Baath-Partei des
Christen Michel Aflaq umsetzen wollten. Im
Irak
sollte eine Schwesterpartei entstehen. Fachri Qadduri schloss
sich der Bewegung an. Einige Jahre später, im Jahr 1952, wurde
er von der syrischen Parteileitung in
Damaskus zum vierten Parteisekretär der neuen Partei
ernannt. 1955 war die irakische Baath-Partei groß genug
geworden, dass auf ihrem 1. Parteitag – er fand im Elternhaus
Qadduris im Bagdader Stadtteil al-Azamiyya statt – das erste
regionale Führungsgremium der Baath des
Irak
gegründet worden ist.
Nach Abschluss des Studiums der Wirtschaftswissenschaften
in
Bagdad und den USA (State University of Iowa) folgte seine
Promotion in Deutschland (Universität zu Köln) 1964. Er war
viele Jahre mit einer Deutschen verheiratet. Aus dieser Ehe
gingen drei Kinder hervor, die alle in Deutschland studiert
haben.
Im Jahr 1968 wurde Fachri Qadduri im Anschluss an den Sturz
Ministerpräsident Abd al-Rahman Arifs unter dem neuen
Präsidenten Ahmad Hasan al-Bakr Wirtschaftsminister. Dieses
Amt bekleidete er bis 1971. An den Verhandlungen ab Januar
1973 mit den ausländischen Anteilseignern der Iraq Petroleum
Company zur Verstaatlichung von IPC wirkte Fachri Qadduri
unter der Verhandlungsführung Saddam Husseins mit: Die ab 1.
März 1973 in die irakische Staatskasse sprudelnden
Erdöl-Einnahmen ermöglichten es Qadduri als Leiter des
RKR-Wirtschaftsbüros und Mitglied des Planungsrates, im Rahmen
der jährlichen sowie der 5-Jahres-Planungen Strategien für
Aufbau und Modernisierung des Landes zu entwickeln, die alle
maßgeblichen Bereiche umfassen sollte – Landwirtschaft,
Industrialisierung, Infrastruktur, Bildung,
Gesundheitsfürsorge, Wohnungsbau.
Es waren dann zuerst eher Störungen in der
zwischenmenschlichen Kommunikation, bevor zunehmend auch
Diskrepanzen bei inhaltlichen – wirtschaftlichen wie
politischen – Fragen zwischen Fachri Qadduri und Saddam
Hussein aufkamen, die die anfangs gute Zusammenarbeit zwischen
beiden ab Mitte der 1970er Jahre immer mehr trübten. Der
Wirtschaftsexperte Qadduri versuchte, sich so weit wie möglich
von den Machtkämpfen in der Partei- wie in der Staatsführung
(die weitgehend identisch waren) sowie von offenen
Konfrontationen mit Saddam fernzuhalten. Letztendlich
wechselte Qadduri von
Bagdad
aus nach
Kairo
und später nach
Amman, wo er von 1978 bis 1983 den Posten des
Generalsekretärs des Rates der Arabischen Wirtschaftsunion
innehatte. Die zunehmenden Spannungen mit Saddam führten dazu,
dass er nicht mehr nach
Bagdad
zurückkehrte, sondern 1983 mit seinen Kindern nach Deutschland
emigrierte.
In Deutschland baute er sich eine neue berufliche Existenz
auf . Er beriet deutsche Firmen in arabischen Ländern, schrieb
Kommentare und Analysen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik
und Kultur für (hauptsächlich) arabische Zeitungen in Bonn,
London, Paris, Dubai, Kuwait und Riad, wurde Chefredakteur
einer in London erscheinenden Fachzeitschrift, arbeitete für
das arabischsprachige Wirtschaftsmagazin der Deutschen Welle,
wurde Mitglied des Schiedsausschusses der Deutsch-Arabischen
sowie der Euro-Arabischen Handelskammern in Bonn bzw. Paris.
Knapp 20 Jahre nach seiner Flucht aus dem Irak begann er mit
dem Schreiben: Zuerst veröffentlichte er seine politischen und
beruflichen Memoiren, dann die Erinnerungen an seine Kindheit
und Jugend in Bagdad, beide in arabischer Sprache.
Bis zu seinem Tod lebte Fakhri Kaddori in Köln. Er starb am
25.November 2018 im Alter von 86 Jahren und wurde auf dem
Westfriedhof Köln beigesetzt.
