Schlingensief

Filmszene (2010 n.Chr.)
Christoph Schlingensief

Aussprache: Kriystuuf schlinghinziyf
arabisch:
كريستوف شلينغنزيف
persisch:
کریستف اشلینگنزیف
englisch:
Christoph Schlingensief

24.10.1960 - -21.8.2010 n.Chr.

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Christoph Schlingensief war ein deutscher Film-, Theater- und Opernregisseur, Autor und Aktionskünstler, der ein provokantes Video zur Kaaba gedreht und veröffentlicht hat.

Er ist am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren und starb am 21. August 2010 in Berlin.

Er wurde bekannt durch provokative, oft bewusst überfordernde Arbeiten zwischen Kunst, Politik, Medienkritik, Religion und Selbstinszenierung. Zu seinen bekanntesten Projekten gehören „Chance 2000“, die Wiener Container-Aktion „Bitte liebt Österreich / Ausländer raus!“, seine Parsifal-Inszenierung in Bayreuth und später das Operndorf Afrika in Burkina Faso.

Die „Kaaba“ ist bei Schlingensief ein spätes Blog-/Video-Motiv: „DIE KAABA? Geschlossen? – Die Fata Morgana der eigenen Kunstverklärung …“, veröffentlicht am 3. Juni 2010 im Schlingenblog. Dort benutzt Schlingensief die Kaaba als starkes Symbol für sakrale Mitte, Kunstverehrung, Projektion und Selbstüberhöhung. Er fragt sinngemäß, ob die „Götter“ der Kunst nicht bloß im Kontext der eigenen Arbeit auftauchen oder als „Fata Morgana der eigenen Kunstverklärung“ erscheinen.

Bei dem Blogeintrag zeigt ein Kurzfilm eine verfallene Kaaba auf einem verlassenen Gelände. Zu hören ist Schlingensiefs Kommentar mit den Worten:

„Die letzten Reste der Kaaba nach der endgültigen Auflösung des Islam. Also hier die letzten Bilder, zum ersten Mal ein Blick in die Kaaba und hier sehen wir den Platz kurz nachdem praktisch der Islam besiegt wurde. Alle haben sich verzogen. Ob das ein Sieg war für die Weltreligionen, wissen wir noch nicht , aber zumindest ist der Islam weg. Vielleicht noch irgendein paar vereinzelte Gläubige , aber so im Großen und Ganzen ist eigentlich diese Religion nun beendet. Und hier, wo tausende Millionen von Menschen herumliefen , hier auf diesem Stein ist nun praktisch Ruhe eingekehrt. Der Staub der Jahrtausende legt sich nun über dieses lange gehegte Geheimnis. Hier die letzten Zeichnungen , teilweise von Plünderern schon abgerissen. Es tut weh , es schmerzt , aber es ist auch ein kleiner Funken Befreiung und als nächstes , denke ich , geht’s dann jetzt zum Vatikan und dann wird dort aufgeräumt. Und die Zukunft der Religionen sieht dann vielleicht endlich auch mal so aus“

Kommentarlos zeigt die Kamera einen Galgen, bevor die Kamera das verlassene Gelände zeigt. Letztendlich schwenkt die Kamera auf Schlingensief selbst, der einen Hut trägt, der einen Heiligenschein symbolisieren soll.

Schlingensief beschäftigte sich nach seiner Krebsdiagnose 2008 stark mit Religion, Angst, Krankheit, Tod, Erlösung und Kunst als quasi-religiösem Raum. Beispiele sind „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ und „Mea Culpa“. Bei ihm sind religiöse Zeichen selten „fromm“ im einfachen Sinn. Sie werden zu Bühnen- und Denkmaschinen, mit denen er fragt: Woran glauben wir eigentlich — an Gott, an Kunst, an Medien, an den Künstler, an die eigene Erlösungsfantasie?

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