Avi Shlaim
Avi Shlaim

Aussprache: afiy schlaym
arabisch:
أفي شلايم
persisch:
اوی شلایم
englisch: 
Avi Shlaim

??? - ??? n.d.H.
31.10.1945 - heute n.Chr.

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Avi Shlaim, eigentlich Avraham Shlaim, ist ein britisch-israelischer Historiker jüdisch-irakischer Herkunft.

Er besitzt sowohl die israelische als auch die britische Staatsangehörigkeit. Er ist am 31. Oktober 1945 in Bagdad geboren. Shlaims Familie gehörte zu den wohlhabenden jüdischen Familien im Irak und betrachtete sich kulturell als Teil der arabischen Welt. 1951 n.Chr. emigrierte sie im Zuge von Operation Ezra und Nehemiah nach Israel, verlor dabei Vermögen und Eigentum und ließ sich in Ramat Gan nieder.

Avi Shlaim studierte Geschichte am Jesus College der University of Cambridge (BA) und erwarb danach einen MSc in International Relations an der London School of Economics sowie einen PhD an der University of Reading. Shlaim leistete von 1964 bis 1966 n.Chr. Wehrdienst in der Israel Defence Forces. Von 1970 bis 1987 lehrte er internationale Beziehungen und Politikwissenschaft an der University of Reading. Ab 1987 war er Professor für Internationale Beziehungen am St Antony’s College, University of Oxford, bis zu seiner Emeritierung 2006. Er erhielt unter anderem die British Academy Medal.

Avi Shlaim gehört zur Gruppe der sogenannten „Neuen israelischen Historiker“ („New Historians“). Diese Historiker nutzen seit den 1980er-Jahren erstmals zugängliche Archivmaterialien, um traditionelle Narrative über den Zionismus, die Gründung Israels und den arabisch-israelischen Konflikt kritisch zu hinterfragen und neu zu interpretieren.

Shlaims Forschung zeichnet sich durch Kritische Revision von Narrativen über 1948 und den Nahostkonflikt, Hinterfragung offizieller Darstellungen des zionistischen Historismus, sowie eine Betonung der strukturellen Dynamiken des Konflikts aus. Er gilt neben anderen wie Benny Morris und Ilan Pappe als eine der bekanntesten Vertreter dieser Denkrichtung.

Shlaim hat über Jahrzehnte hinweg Standardwerke zur Geschichte Israels und der internationalen Politik im Nahen Osten verfasst. Dazu gehören:

bulletThe United States and the Berlin Blockade 1948–1949 (1989) – Analytische Studie zur Krise in der Nachkriegszeit.
bulletThe Politics of Partition – zur politischen Geschichte Palästinas und Jordaniens.
bulletThe Iron Wall: Israel and the Arab World – eines seiner bekanntesten Werke, das strategische Entwicklungslinien der israelischen Außenpolitik reflektiert.
bulletThree Worlds: Memoirs of an Arab-Jew (2023) – autobiographische Reflexion über Identität, Migration, Krieg und Geschichte.
bullet„Genocide in Gaza“ –

Shlaims jüngstes Buch trägt den englischen Titel Genocide in Gaza: Israel, Hamas, and the Long War on Palestine. Das Buch ist 2025 n.Chr. im Verlag Irish Pages Press erschienen. Die im gleichen Jahr herausgegebene deutsche Ausgabe heißt Genozid in Gaza: Israels langer Krieg gegen Palästina und ist im Melzer-Verlag erschienen. Shlaim analysiert in diesem Band die wiederholten militärischen Operationen Israels im Gazastreifen einschließlich der Reaktion auf den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und bewertet sie in einem historischen, rechtlichen und moralischen Rahmen. Ein Vorwort zu dem Buch hat die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete Palästinas Francesca Albanese geschrieben, die für ihre Haltung von den USA sanktioniert wird.

Das Kernargument des Buches ist die Kontinuität der Gewalt: Shlaim zeichnet eine Linie der wiederkehrenden Gewalt im Gazakrieg seit 2008 und betont, dass der Konflikt zyklisch und strukturell tief verwurzelt ist. Er argumentiert, dass Israels Politik gegenüber Gazas Bevölkerung über koloniale Logik hinausgehe und Elemente eines Genozids aufweise, jenseits von bloßem Landgewinn oder Ethnokratie. Dieser Begriff wird nicht leichtfertig verwendet, sondern durch dokumentierte politische Aussagen und militärische Politiken begründet. Shlaim kritisiert die Rolle westlicher Staaten, die laut ihm Israel weitgehend politisch und militärisch unterstützen, ohne die humanitären Konsequenzen ausreichend zu berücksichtigen. Er thematisiert in Essays und Analysen die Verletzung humanitärer Normen und spricht von „zionistischem Faschismus“ in der methodischen und strukturellen Gewaltpolitik.

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