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Siyah Kalem (Siyah-Qalam) ist eine rätselhafte
Künstlerbezeichnung aus der islamisch-zentralasiatischen
Kunstgeschichte.
Zuweilen wird er Mehmed Siyah Kalem, Muhammad Siyah Qalam
oder Muhammad Siyah-Qalam. Der Name bedeutet wörtlich
„Schwarzer Stift“.
Es ist nicht sicher bekannt, ob Siyah Kalem eine einzelne
historische Person war. In der Forschung wird der Name oft
eher als Zuschreibung an einen Künstler, eine Werkstatt oder
sogar mehrere Künstler verstanden. So kann Siyah-Qalam sowohl
als Bezeichnung für eine Zeichen- und Maltechnik in Feder und
Tusche als auch für den oder wahrscheinlicher die Maler einer
bestimmten Gruppe von Zeichnungen gedeutet werden, die vor
allem in Alben der Bibliothek des
Topkapi Palastes erhalten sind.
Die berühmten „Siyah-Kalem“-Blätter zeigen eine sehr
ungewöhnliche Bildwelt: Dämonen, Dive und groteske Wesen,
Nomaden, Schamanen, Händler und Tiere, Szenen aus dem
zentralasiatischen Steppenleben, buddhistisch oder schamanisch
geprägte Figuren, stark bewegte, expressive Gestalten,
kräftige Linien, oft mit Tusche und Farbe auf Papier.
Gerade die Dämonenbilder sind berühmt: Sie wirken wild,
körperlich, manchmal humorvoll, manchmal bedrohlich. Deshalb
wird Siyah Kalem gelegentlich als „Meister der Menschen und
Dämonen“ beschrieben.
Die Datierung ist umstritten, liegt aber meist im 14. oder
15. Jh. n.Chr. Manche glauben Mehmed Siyah-Kalem habe im 15.
Jh. n.Chr. im Großraum
Iran gewirkt und sei nur durch die Zuschreibung seines
Namens auf einer bemerkenswerten Serie von Bildern bekannt,
die in der osmanischen Palastbibliothek des
Topkapi Palastes erhalten sind.
Die Bilder wirken nicht wie klassische höfische persische
Miniaturen, sondern eher wie eine Mischung aus
zentralasiatischer Nomadenwelt, chinesischer Linienkunst,
iranischer Zeichentradition und schamanisch-buddhistischen
Motiven.

Türkische Miniatur, die Siyah Kalem
zugeschrieben wird: Tanz der Schwarzen Schamanen (15. Jh.
n.Chr.), Höhe 19,3 cm, Breite 25,3 cm im Fatih Album in der
Bibliothek des
Topkapi Palastes, Foto 1950 n.Chr.