Spiegel
Spiegel

Aussprache: mir-aah
arabisch:
مرآة
persisch: آینه
englisch: Mirror

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Der Begriff „Spiegel“ (mir’āh) besitzt im islamischen Denken, insbesondere in der Mystik [tasawwuf] und Ethik, eine vielschichtige symbolische Bedeutung.

In Versen des Heiligen Quran, in Überlieferungen [hadith] und in der islamischen Philosophie wird er als Bild für Selbsterkenntnis, Läuterung und Gottesnähe verwendet.

Im Heiligen Quran wird die Spiegeldiagnostik erörtert.

Eine oft zitierte Überlieferung [hadith] des Propheten Muhammad (s.) und damit spirituelle Lehre lautet:

المؤمن مرآة المؤمن
„Der Gläubige ist der Spiegel des Gläubigen.“

Der Mensch erkennt sich selbst – seine Fehler wie auch seine Tugenden – im Gegenüber. Ein Spiegel zeigt ehrlich und unverfälscht, was wirklich ist. Genauso soll ein Gläubiger [mumin] seinem Mitmenschen freundlich, aber wahrhaftig die Wahrheit spiegeln.

Viele Gelehrte, vor allem Mystiker, beschreiben das Herz wie einen Spiegel: Jener Spiegel wird durch Sünden wie z.B. Neid oder Lüge getrübt und verliert er seine Klarheit. Dadurch kann er das göttliche Licht [nur] nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr widerspiegeln. Er wird aber durch Lobpreisverlesung [dhikr], Gottesbewusstsein und Aufrichtigkeit gereinigt und spiegelt dann das Licht [nur] der Wahrheit wider.

Islamische Philosophen wie Abu Hamid Ghazzali oder Ibn Arabi verwenden den Spiegel auch als Bild für den Menschen in Beziehung zu Gott: Der Mensch ist ein Spiegel, der göttliche Eigenschaften reflektieren kann, weil er dessen Licht widerspiegelt. Ein klarer Spiegel zeigt Wahrheit, ein trüber nur Schatten. Das Ziel spiritueller Entwicklung ist daher nicht Selbstvergötterung, sondern Reinheit, um Licht und Wahrheit klar reflektieren zu können.

Die Idee des gegenseitigen Spiegelns gilt auch in Beziehungen und Ehe: Partner spiegeln einander Charakter, Geduld, Stärken und Schwächen. Ein guter Spiegel verletzt nicht. Er zeigt, was er sieht in Wahrheit.

In einem modernen Sufi-Gleichnis sagt ein junger Schüler zu seinem Scheich: „Ich will Gott sehen.“ Der Meister reichte ihm einen kleinen Spiegel und sagte: „Dann sieh zuerst, wer dich davon trennt.“ Zum Überwinden des „Ich“ darf man im Weihezustand [ihram] nicht in einem Spiegel sehen.

Eine berühmte Geschichte von Dschalaleddin Rumi zum Spiegel ist die Geschichte: Die Maler von China und Rum.

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