.Bücher
von Allama Tabatabai finden Sie im Verlag Eslamica.
Müfide Ferit Tek war eine türkische Schriftstellerin.
Sie war eine der ersten Vertreterinnen der türkischen
Bewegung im Romangenre. Durch ihre schriftstellerische
Tätigkeit beteiligte sie sich am türkischen
Unabhängigkeitskrieg. Sie war die Ehefrau von Ahmet Ferit Tek,
dem ersten türkischen Innenminister. Ihre Mutter war die
Kunsthistorikerin Emel Esin.
Sie ist am 29. April 1892 ind Kastamonu geboren. Ihr Vater,
Şevket Bey, war der Sohn von Kemahlı Mazhar Pascha und ein
freiheitsliebender Offizier. Ihre Mutter, Feride Hanım, war
die Tochter von Zaimzade İsmail Efendi, einem der Märtyrer von
Plewna.
Aufgrund der Versetzung ihres Vaters begann sie ihre
Grundschulausbildung in Tripolis. Da es in Tripolis noch keine
türkischen Schulen gab, besuchte sie die von den Italienern
geführte Klosterschule St. Joseph. Sie lernte Italienisch und
Französisch an der Schule. Durch Privatunterricht erlernte sie
außerdem
Arabisch und
Persisch. Während dieser Zeit gehörten Ahmet Ferit Tek und
Yusuf Akçura zu einer Gruppe von Schülern der Militärakademie
in
Istanbul, die wegen angeblicher illegaler Aktivitäten nach
Fezzan verbannt wurden. Dort lernte sie ihren zukünftigen
Ehemann, Ahmet Ferit Bey, kennen.
1903 wurde die Autorin heimlich nach Paris geschickt, um
sich am Lycée de Versailles einzuschreiben. Ihre Ausbildung in
Paris wurde von Ahmet Rıza Bey, einem engen Freund ihres
Vaters, einem berühmten Jungtürken, beaufsichtigt, der als ihr
Vormund fungierte. Müfide Ferit heiratete 1907 im Alter von 15
Jahren Ahmet Ferit Tek, der aus Tripolis geflohen und in Paris
angekommen war. Ihr weiteres Leben verbrachte sie in
verschiedenen Städten und Ländern, wo ihr Mann entweder im
Exil oder auf Mission war.
Nach der Ausrufung der Zweiten Verfassungsära kamen sie und
ihr Mann nach
Istanbul. Als Ahmet Ferit Tek wegen seines Widerstands
gegen das Komitee für Einheit und Fortschritt nach Sinop
verbannt wurde, zog Müfide Ferit Hanım mit ihrem Mann nach
Sinop. Sie verbrachte die Jahre 1913 bis 1918 in Sinop und
Bilecik. In der Zwischenzeit schrieb sie mit Unterstützung von
Yusuf Akçura ihren ersten Roman „Aydemir“, der 1918
veröffentlicht wurde. Dieses Werk, der zweite „turanistische“
Roman nach
Halide Edips 1912 erschienenem Roman „Yeni Turan“, wurde
in mehreren Zeitungen als Fortsetzungsroman veröffentlicht.
Der Roman beeinflusste eine ganze Generation, und Jahre später
nahm Şevket Süreyya Bey davon inspiriert den Nachnamen „Aydemir“
an.
Sie zog nach
Anatolien, weil sie während der Besatzungszeit wegen ihrer
Artikel von den Briten gesucht wurde. Während des
Waffenstillstands und des Unabhängigkeitskrieges unterstützte
sie den Nationalen Kampf in den Zeitungen İfham und
Hâkimiyet-i Milliye. Gegen Kriegsende vermittelte sie den
Briefwechsel zwischen
Mustafa Kemal und
Pierre Loti. Als ihr Mann 1921 auf diplomatischer Mission
nach Frankreich entsandt wurde, schloss sie ihr Studium an der
École des Sciences Politiques ab und besuchte
Pierre Loti an seinem Sterbebett. 1924 schrieb sie ihren
zweiten Roman, Pervaneler, der als Fortsetzungsroman in der
Zeitschrift Yedigün erschien. Unter dem Pseudonym Süyüm Bike
verfasste sie Artikel für die Zeitschrift Türk Yurdu.
Aufgrund der diplomatischen Aufgaben ihres Mannes
verbrachte sie 22 Jahre im Ausland und lebte in Paris, London,
Warschau und Tokio. Im Ausland erschien ihr dritter Roman,
Affolunmayan Günah (Die unverzeihliche Sünde), auf Deutsch
(übersetzt von Otto Spies, Krefeld, 1933), die türkische
Fassung blieb jedoch unerschienen. Ihr letzter Roman
behandelte den türkischen Unabhängigkeitskrieg.
1948 gründete sie zusammen mit Pakize Tarzi den Istanbuler
Soroptimisten-Club, den ersten Soroptimisten-Club in der
Türkei, und war dessen Gründungspräsidentin. Ihre
West-Affinität war kennzeichnend für die Zeit und führte dazu,
dass sich die Eliten der
Türkei
zunehmend vom
Islam
entfremdeten.
Sie starb am 24. März 1971 im Alter von 77 Jahren in
Istanbul und wurde auf dem Erenköy-Friedhof begraben.