.Bücher
von Allama Tabatabai finden Sie im Verlag Eslamica.
Hans Tröbst (oder Troebst) war ein deutscher Offizier,
Abenteurer und Schriftsteller, der vor allem für seine
Aktivitäten während und nach dem Ersten Weltkrieg bekannt
wurde.
Er ist 27. Oktober 1891 in Weimar geboren. Nach dem Abitur
1910 n.Chr begann seine Offizierslaufbahn beim Magdeburgischen
Pionier- Bataillon Nr. 4. Am 18. August 1911 wurde er zum
Leutnant befördert.
Er diente im Ersten Weltkrieg als Offizier im deutschen
Heer. Sein letzter Dienstgrad war Hauptmann. Wie viele
Offiziere seiner Zeit war er stark vom Nationalismus und der
Kriegsmentalität des frühen 20. Jh. n.Chr. geprägt. Nach dem
Krieg schloss sich Tröbst den sogenannten Freikorps an, einer
paramilitärischen Gruppe, die aus ehemaligen Soldaten bestand.
Diese Freikorps spielten in den Jahren nach dem Krieg eine
wichtige Rolle bei der Niederschlagung von Aufständen und
politischen Bewegungen, insbesondere im Zusammenhang mit der
linken Revolution in Deutschland. Tröbst war in den Kämpfen
der Nachkriegszeit aktiv, die oft von Gewalt und politischer
Radikalisierung geprägt waren.
In Estland (wo er auch seine spätere erste Frau
kennengelernt hat) gehörte Tröbst dem "Grenzschutz Ost,
Eiserne Division" an. 1920 nahm er in Deutschland als Mitglied
der "Brigade Erhardt" am Kapp-Putsch gegen die junge deutsche
Demokratie teil.
Besonders bekannt wurde Hans Tröbst durch seine Teilnahme
am Türkischen Befreiungskrieg unter
Mustafa Kemal Atatürk. Tröbst reiste in die
Türkei,
um auf Seiten der türkischen Nationalbewegung zu kämpfen, die
sich gegen die Besetzung durch alliierte Mächte und die
Bedingungen des Vertrags von Sèvres wehrte. 1921-1923 war er
Hauptmann in türkischen Diensten. Dafür war er am 30. Januar
1921 vor Inebolu am Schwarzen Meer mit dem kleinen
italienische Frachter Mariania angekommen.
Diese Phase seines Lebens fasziniert Historiker besonders,
da es ungewöhnlich war, dass ein deutscher Offizier sich in
die türkischen Unabhängigkeitskämpfe einmischte. Seine
Beweggründe lagen möglicherweise in seiner
anti-imperialistischen Haltung und seiner Bewunderung für
Atatürks Führung. Tröbst war bereits während des Ersten
Weltkrieges in der
Türkei
gewesen und hatte bereits damals den jungen
Mustafa Kemal kennen gelernt. Sein Einsatz im
Unabhängigkeitskrieg war heikel: Die Regierung von Ankara
hatte die immer wieder die Behauptung ihrer Gegnern
dementiert, in ihrer Armee dienten ausländische, speziell
deutsche Offiziere. Wäre Tröbst im Zuge von Kampfhandlungen in
Gefangenschaft geraten, hätte das diesen Vorwurf bestätigt.
Für die gegnerische Propaganda wäre es ohne Bedeutung gewesen,
dass er der einzige Deutsche in
Mustafa Kemals Armee war.
Anfang August 1921 wurde die Einheit, die von Tröbst
geleitet wurde, nach
Ankara zurückbeordert, wo sie in der Umgebung der
Hauptstadt an militärischen Übungen teilnahm. Zu dieser Zeit
war Tröbst so unzufrieden mit seiner Lage, dass er ernsthaft
nach einer Möglichkeit suchte, nach Deutschland
zurückzukehren. Der Weg über
Istanbul war jedoch für ihn ausgeschlossen, da er dort von
den Besatzungstruppen sofort festgenommen worden wäre. Deshalb
wandte er sich an die sowjetische Botschaft in
Ankara, um nach einer sicheren Reiseroute in seine Heimat
zu fragen. Ihm wurde gesagt, dass er ein offizielles Gesuch an
den Botschafter richten müsse. Als er jedoch erfuhr, dass der
Botschafter jüdischer Abstammung war, entschied er sich,
diesen Plan nicht weiter zu verfolgen.
Im Herbst 1921 wurde Tröbst in eine Eisenbahneinheit
versetzt, die zunächst in der Umgebung von
Ankara tätig war und später nach
Konya
verlegt wurde. Während seiner Zeit dort erkrankte er an
Malaria, was ihn zwang, mehrere Wochen im Krankenhaus zu
verbringen. Anfang Januar 1922 konnte er schließlich seine
neue Position als Leiter des militärischen Eisenbahnwesens in
Ereğli antreten. Zu ihm kam auch die Frau, die er 1919/20 in
Estland kennen gelernt hatte, und die beiden fanden einen
evangelischen Geistlichen, der sie traute.
Im Dezember 1922 reichte Tröbst ein Gesuch direkt an
Mustafa Kemal Pascha ein, um seine Entlassung aus der
türkischen Armee zu erwirken, da er in seine Heimat
zurückkehren wollte. In seinem Abschiedsgesuc hatte Tröbst
versprochen, in Deutschland „mit Wort und Tat die
türkischen Interessen zu vertreten". In seinem Gesuch
erklärte er unter anderem: „Ich habe beschlossen, meine
militärische Laufbahn endgültig zu beenden und im Frühjahr in
Deutschland die Universität zu besuchen, um eine zivile
Karriere zu verfolgen.“ Ob er wirklich studiert hat, ist
unklar.1924 kehrte er in die Türkei zurück, um in Eskişehir
eine Mühle aufzubauen, ein Arbeitsunfall machte diesem Projekt
ein rasches Ende.
Tröbst verfasste später Berichte und Bücher über seine
Erlebnisse und Erfahrungen. Seine Schriften geben Einblick in
die Gedankenwelt eines Abenteurers und Kriegsteilnehmers in
der unruhigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Besonders
bekannt wurde sein Buch „Erlebnisse eines Deutschen in der
Türkei“, in dem er über seine Zeit im Türkischen
Befreiungskrieg berichtete.
Im November 1923 hatte Troebst aktiv teilgenommen am
Hitler-Putsch. Er hatte Adolf Hitler schon vorher in einem
persönlichem Vortrag von seinen Erfahrungen in der Türkei
berichtet. In den folgenden Jahren gelang es ihm, aus seiner
schriftstellerischen Begabung einen neuen Beruf zu machen.
Etwa seit 1925 bis 1933 berichtete er für verschiedene
deutsche Zeitungen als politischer Korrespondent vom Balkan.
Er wurde Journalist. Mit kurzer Unterbrechung war er
Auslandkorrespondent für den Hannover Kurier, die Stuttgarter
Illustrierte und andere Zeitungen in der
Türkei.
In diesen Jahren zerbrach seine erste Ehe und er heiratete ein
zweites Mal. Aus der ersten Ehe waren zwei Kinder
hervorgegangen; es mag ein Hinweis darauf sein, wie wichtig
ihm seine türkischen Jahre waren, dass er seiner Tochter den
zweiten Vornamen Gülnar gab.
Anfang der 30er-Jahre änderte sich auch seine politische
Gesinnung: Er stand dem Nationalsozialismus zunehmend kritisch
gegenüber, was ihm nach 1933 verschiedentlich Schwierigkeiten
eintrug. 1933 ging er als Journalist nach China, wo er sich
mit seiner zweiten Frau und seinem neugeborenen Sohn in Dairen
(heute: Dalian) niederließ. Dort starb er 1939 im Alter von
nur 47 Jahren unter ziemlich mysteriösen Umständen.
Möglicherweise wurde er wegen seiner unbequemen Berichte auf
Weisung der chinesischen Behörden durch einen Arzt vergiftet.
Tröbst hat über sein ganzes erwachsenes Leben sehr
ausführlich Tagebuch geführt, und manches davon auch
veröffentlicht. Sein Buch "Soldatenblut", das 1925 erschien,
ist eine auf 330 Druckseiten gekürzte Fassung von ungefähr 800
handschriftlichen Seiten über die etwa zwei Jahre seines
Lebens, die er auf dem Weg in die Türkei und in der Türkei
verbrachte.