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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
„Turan“ ist ein historisch-mythologischer und später politisch
aufgeladener Begriff im Zusammenhang mit
Türkei
und Iran,
der je nach Kontext unterschiedlich verstanden wird.
Der Ursprung des Begriff ist im
Schahname von
Ferdowsi zu finden. Darin ist Turan das Land der
mythischen Feinde des
Iran,
oft unter Führung des Königs Afrasyab. Turan steht dort für
die östlichen Nomadenvölker jenseits des Oxus (Amu Darya),
also etwa im heutigen Zentralasien. Iran und Turan erscheinen
als kulturelle und kosmische Gegenspieler: Iran gilt als
sesshaft, zivilisiert und rechtgeleitet. Turan hingegen ist in
dem Epos nomadisch, kriegerisch und fremdartig. Der Konflikt
zwischen Iran und Turan wird im
Schahname zur allegorischen Darstellung des ewigen Kampfes
zwischen Ordnung und Chaos.
In der Ethnographie und Geopolitik im 19. und frühen 20.
Jh. n.Chr. wurde „Turan“ von Panturkisten und teils auch
Pantalisten wieder aufgegriffen und umgedeutet: Turan wird zur
Bezeichnung eines idealisierten Ursprungs- und Einheitsraums
aller Turkvölker von
Anatolien über
Aserbaidschan, Zentralasien bis nach Sibirien und China.
Das Ziel der Ideologie bestand in einem kulturell-politischen
Band aller Turkvölker, jenseits bestehender Nationalstaaten.
Als Vordenker dieser Ideologie gelten
Hüseyinzade Ali Turan und
Ziya Gökalp.
Hüseyinzade Ali Turan ist auch für sein
Turan-Gedicht bekannt.
Der Begriff Turan ist noch immer ein emotional aufgeladener
Begriff, besonders in nationalistischer Rhetorik (z.B. bei der
Organisation Bozkurtlar / Graue Wölfe). Es gibt sogar eine
Geste: Der „Turan-Gruß“ mit Wolfszeichen (Bozkurt işareti).
In Videospielen, Fantasy-Serien und Animes taucht „Turan“
gelegentlich als exotisches Reich auf – inspiriert durch seine
mythische Herkunft.

Stieler-Karte von 1843 n.Chr.: Iran und
Turan