Wadi Muhassir
Weißer Falke

Aussprache: al-baaz al-aschhab
arabisch:
الباز الأشهب
persisch:
بازِ أشهب
englisch:
the pale falcon

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Weißer Falke ist ein Titel aus der Zeit der Osmanen, der insbesondere für Sayyid Abdulqadir al-Dschilani angewandt wird.

Der Titel bedeutet „der weiße Falke“ oder wörtlicher „der grau-weiße Edel-Falke“.

Dieser Ehrenname wird traditionell Sayyid Abdulqadir al-Dschilani aus mehreren Gründen zugeschrieben:

bulletSymbol für spirituelle Macht: Der Falke ist im Kulturraum des Islam ein Symbol für scharfe Sicht, königliche Würde, geistige Autorität und Überlegenheit über niedere Triebe. So wie ein Falke über alle anderen Vögel steigt, so gilt al-Dschilani in vielen Orden [tariqa] als der höchste Qutb (Pol, geistige Achse) seiner Zeit.
bulletBild des Jägers stellt geistige Läuterung dar: Der weiße Falke jagt laut Sufi-Symbolik Unwissenheit, Ego (nafs) und Zweifel. Die Metapher sagt: „Er jagt die Herzen, um sie zu Gott zurückzubringen.“
bulletDer „Falke Gottes“ über Bagdad
bulletViele Heiligenverehrungen beschreiben al-Dschilani als einen Heiligen, der: „über allen anderen Scheichen schwebt“ und „wie ein Falke die Wege der Schüler behütet“. Das Gleichnis wurde so verbreitet, dass es fester Titel wurde.
bulletWeiß ist Symbol der Reinheit: Das Adjektiv ašhab (eşheb) bedeutet „weißlich-grau mit Glanz“ und wird bei edlen Falken benutzt. Es verweist auf spirituelle Reinheit und Licht.

Kalligrafietafeln in Tierform sind typisch für die Kunst der Osmanen. Der Vogel symbolisiert die  Seele

Im Sufismus ist der Vogel ein Symbol für die Seele, die Seele [nafs], die von ihrem Ursprung getrennt wurde und zu Gott zurückfliegen möchte. Der Falke gilt dabei als geistiger Meister

Eine solche Tafel für al-Dschilani beinhaltet die Inschrift in Form einer Kalligraphie

 يا باز الأشهب قدس سره شيئًا لله
„O weißer Falke, möge sein Geheimnis geheiligt sein. Ein Almosen um Gottes willen.“

Es bezieht sich auf Scheich Abdulqadir al-Dschilani: „O Scheich ʿAbdülkādir Geylânî – möge Gott seine Seele reinigen und läutern. Ein Almosen um Gottes willen.“

Kalligraphien im Ethnographischen Museum Ankara (Etnoğrafya Müzesi), Foto Y.Özoguz (2014 n.Chr.)

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